{"id":1727,"date":"2017-04-14T13:00:56","date_gmt":"2017-04-14T11:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/?p=1727\/"},"modified":"2017-04-14T12:55:47","modified_gmt":"2017-04-14T10:55:47","slug":"o-pithikos-xouth-jakob-levi-salomon-bartholdy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/genikou-endiaferontos\/o-pithikos-xouth-jakob-levi-salomon-bartholdy\/","title":{"rendered":"\u039a\u03c1\u03b9\u03c4\u03b9\u03ba\u03ae \u03c0\u03ac\u03bd\u03c9 \u03c3\u03c4\u03b7 \u03b3\u03b5\u03c1\u03bc\u03b1\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae \u03b8\u03b5\u03ce\u03c1\u03b7\u03c3\u03b7 \u03c4\u03b7\u03c2 \u0395\u03bb\u03bb\u03ac\u03b4\u03b1\u03c2: \u03a4\u03bf \u03c0\u03c1\u03ce\u03b9\u03bc\u03bf \u03bc\u03c5\u03b8\u03b9\u03c3\u03c4\u03cc\u03c1\u03b7\u03bc\u03b1 \u00ab\u039f \u03a0\u03af\u03b8\u03b7\u03ba\u03bf\u03c2 \u039e\u03bf\u03c5\u03b8\u00bb (1847\/48)"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u0391\u03c5\u03c4\u03bf\u03b8\u03b5\u03ce\u03c1\u03b7\u03c3\u03b7 \u03ba\u03b1\u03b9 \u03b5\u03c4\u03b5\u03c1\u03bf\u03b8\u03b5\u03ce\u03c1\u03b7\u03c3\u03b7 \u03c9\u03c2 \u03b1\u03b9\u03ce\u03bd\u03b9\u03bf \u03b5\u03bb\u03bb\u03b7\u03bd\u03b9\u03ba\u03cc \u03b4\u03af\u03bb\u03b7\u03bc\u03bc\u03b1: \u03ae\u03b4\u03b7 \u03c3\u03c4\u03b9\u03c2 \u03b1\u03c1\u03c7\u03ad\u03c2 \u03c4\u03b7\u03c2 \u03bd\u03b5\u03bf\u03b5\u03bb\u03bb\u03b7\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae\u03c2 \u03c0\u03b5\u03b6\u03bf\u03b3\u03c1\u03b1\u03c6\u03af\u03b1\u03c2 \u03c4\u03bf\u03c5 19\u03bf\u03c5 \u03b1\u03b9\u03ce\u03bd\u03b1 \u03b1\u03c0\u03bf\u03c4\u03b5\u03bb\u03bf\u03cd\u03c3\u03b5 \u03b8\u03ad\u03bc\u03b1 \u03b7 \u03b4\u03b9\u03ac\u03c3\u03c4\u03b1\u03c3\u03b7 \u03b1\u03bd\u03ac\u03bc\u03b5\u03c3\u03b1 \u03c3\u03c4\u03b7\u03bd \u03ad\u03bd\u03b4\u03bf\u03be\u03b7 \u03b1\u03c1\u03c7\u03b1\u03b9\u03cc\u03c4\u03b7\u03c4\u03b1 \u03ba\u03b1\u03b9 \u03c4\u03bf \u03c0\u03c1\u03bf\u03b2\u03bb\u03b7\u03bc\u03b1\u03c4\u03b9\u03ba\u03cc \u03c0\u03b1\u03c1\u03cc\u03bd \u03b5\u03bd \u03b5\u03af\u03b4\u03b5\u03b9 \u03c4\u03b7\u03c2 \u03b1\u03bd\u03b1\u03b6\u03ae\u03c4\u03b7\u03c3\u03b7\u03c2 \u03c4\u03bf\u03c5 \u03b1\u03c5\u03c4\u03bf\u03c0\u03c1\u03bf\u03c3\u03b4\u03b9\u03bf\u03c1\u03b9\u03c3\u03bc\u03bf\u03cd \u03bc\u03b5\u03c4\u03b1\u03be\u03cd \u00ab\u03c6\u03bf\u03bb\u03ba\u03bb\u03cc\u03c1\u00bb \u03ba\u03b1\u03b9 \u00ab\u03c0\u03c1\u03bf\u03c3\u03b1\u03c1\u03bc\u03bf\u03b3\u03ae\u03c2\u00bb. \u0395\u03af\u03bd\u03b1\u03b9 \u03c7\u03b1\u03c1\u03b1\u03ba\u03c4\u03b7\u03c1\u03b9\u03c3\u03c4\u03b9\u03ba\u03cc \u03cc\u03c4\u03b9 \u03ad\u03bd\u03b1\u03c2 \u03b1\u03c0\u03cc \u03c4\u03bf\u03c5\u03c2 \u03c0\u03c1\u03ce\u03c4\u03bf\u03c5\u03c2 \u039d\u03b5\u03bf\u03ad\u03bb\u03bb\u03b7\u03bd\u03b5\u03c2 \u03bc\u03c5\u03b8\u03b9\u03c3\u03c4\u03bf\u03c1\u03b7\u03bc\u03b1\u03c4\u03bf\u03b3\u03c1\u03ac\u03c6\u03bf\u03c5\u03c2 \u03c4\u03b7\u03c2 \u03b5\u03c0\u03bf\u03c7\u03ae\u03c2 \u03b5\u03ba\u03b5\u03af\u03bd\u03b7\u03c2 \u03b5\u03c0\u03b9\u03ba\u03b5\u03bd\u03c4\u03c1\u03ce\u03b8\u03b7\u03ba\u03b5 \u03c3\u03b5 \u03ad\u03bd\u03b1\u03bd \u0393\u03b5\u03c1\u03bc\u03b1\u03bd\u03cc \u03c4\u03b1\u03be\u03b9\u03b4\u03b9\u03ce\u03c4\u03b7, \u03b2\u03ac\u03b6\u03bf\u03bd\u03c4\u03b1\u03c2 \u03c3\u03c4\u03bf \u03c3\u03c4\u03cc\u03c7\u03b1\u03c3\u03c4\u03c1\u03bf \u03c4\u03bf\u03bd \u03af\u03b4\u03b9\u03bf \u03c4\u03bf\u03bd \u03c0\u03b5\u03c1\u03b9\u03b7\u03b3\u03b7\u03c4\u03ae \u03ba\u03b1\u03b9 \u03c4\u03bf \u03bf\u03b4\u03bf\u03b9\u03c0\u03bf\u03c1\u03b9\u03ba\u03cc \u03c4\u03bf\u03c5.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Der Affe tritt in der europ\u00e4ischen Literatur in verschiedenen Rollen und Funktionen auf: als Doppelg\u00e4nger, <em>alter ego<\/em> oder verzerrtes Abbild des Menschen. Der Affe bewegt sich auf einer breiten Skala zwischen Nachahmung und Karikatur der menschlichen Natur und Verhaltensweisen. Im 20. Jahrhundert wurde der Affe durch \u00abTarzan\u00bb und \u00abKing Kong\u00bb zum Trivialmythos. In den vorangehenden Jahrhunderten jedoch verk\u00f6rperte der Affe in literarischen Texten oftmals einen kulturkritischen Ansatz.<\/p>\n<p>Und genau dieser Art von Kulturkritik, die sich in der Verwandlung eines Menschen in einen Affen \u00e4u\u00dfert, d. h. der satirischen Kritik am kulturellen Wandel einer Gesellschaft, m\u00f6chte ich hier etwas genauer nachgehen, indem ich Ihnen einen fr\u00fchen neugriechischen Prosatext von <strong>Iakovos Pitsipios<\/strong> unter dem Titel \u00abDer Affe Xouth\u00bb vorstelle.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1720 size-full\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_1.jpg\" alt=\"Xouth_1\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_1.jpg 1024w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_1-300x225.jpg 300w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Die Begriffe \u00abMode\u00bb und \u00abnach\u00e4ffen\u00bb nehmen im 19. Jahrhundert eine zentrale Stellung in der Kritik an einer \u00fcbereilten und \u00fcbertriebenen Unterwerfung unter das Diktat der europ\u00e4ischen M\u00e4chte ein. Vor allem an der Kleidung l\u00e4sst sich der orientalische bzw. europ\u00e4ische Einfluss augenf\u00e4llig \u00fcberpr\u00fcfen. Auch die Zeitungsmeldung von Pitsipios\u00b4 Tod durch Ertrinken im Bosporus hebt hervor: \u00abder Leichnam eines Mannes, angetan mit europ\u00e4ischer Kleidung\u00bb. So befindet sich der gelehrte Grieche im Gewand der europ\u00e4ischen Bildung immer in der Position des nachahmenden Affen, sowie auch umgekehrt der gelehrte Europ\u00e4er immer der Vorbildwirkung der Antike verhaftet bleibt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>\u00abDer Affe Xouth oder die Sitten des Jahrunderts\u00bb erschien 1847-8 in der von Pitsipios in Ermoupoli auf Syros herausgegebenen Zeitschrift \u00abSchatzkammer n\u00fctzlichen und heiteren Wissens\u00bb. \u00abDer Affe Xouth\u00bb d\u00fcrfte der erste griechische Roman in Fortsetzungen sein, er erschien in 7 Folgen, die letzte tr\u00e4gt die Anmerkung \u00abFortsetzung folgt\u00bb \u2013 ein Versprechen, das nie eingel\u00f6st wurde. Pitsipios lebte zw. 1800\/1802 und 1869 und ver\u00f6ffentlichte 1839 vor Xouth noch einen weiteren Roman, \u00abDas Waisenm\u00e4dchen von Chios oder der Triumph der Tugend\u00bb, der f\u00fcr sich beansprucht, das Genre des Romans in die neugriechische Literatur eingef\u00fchrt zu haben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1718\" aria-describedby=\"caption-attachment-1718\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1718 size-full\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132752-e1492064394780.jpg\" alt=\"Xouth_4\" width=\"450\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1718\" class=\"wp-caption-text\">Iakovos Pitsipios<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Hauptfigur des Romans \u00abDer Affe Xouth\u00bb bildet der gleichnamige Orangutan. Dieser Orangutan stellt sich in der ersten Szene des Romans als verwandelter deutscher Reisender <strong>Jakob Levi Salomon Bartholdy<\/strong> heraus, der die Metamorphose zu einem sprach- und vernunftlosen Wesen durchleiden musste. Und zwar aus zweierlei Gr\u00fcnden: einerseits als direkte Strafe f\u00fcr den an einem seiner Wohlt\u00e4ter begangenen Mord und andererseits als indirekte Strafe f\u00fcr seine kritische Darstellung des modernen Griechenland. Dieser Bartholdy ist eine historisch belegte Figur, die 1805 einen kritischen und wenig schmeichelhaften Reisebericht \u00fcber Griechenland ver\u00f6ffentlichte. Er erz\u00fcrnte damit die griechische Diaspora und an vorderster Stelle den herausragenden Gelehrten der griechischen Aufkl\u00e4rung, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adamantios_Korais\" target=\"_blank\"><strong>Adamantios Korais<\/strong><\/a>. Dies bildet den historischen Hintergrund der Literarisierung der Figur durch Pitsipios. Pitsipios verwandelt Bartholdy in einen der Sprache nicht mehr m\u00e4chtigen Orangutan namens Xouth und l\u00e4sst ihn nun aus einer literarisch-satirischen Sicht seine Lebensgeschichte erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Der Affe erlangt in der ersten Szene des Romans die Sprache wieder und beginnt seinen Bericht. Es folgt nun die Xouthsche Version \u00fcber die Reiseroute und Schreibweise des historischen Bartholdy. Laut Xouth beauftragte Bartholdy gegen reichliche Bezahlung Dritte mit den Forschungen f\u00fcr seinen Reisebericht \u2013 ein oft erhobener Vorwurf des Plagiats, der Imitation gegen Reiseschriftsteller. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Berlin ver\u00f6ffentlichte 1805 Bartholdy sein Werk, das gro\u00dfen Anklang fand. 1823 (wir befinden uns immer in der Romanversion von Bartholdys Lebensgeschichte) hielt er sich in Paris auf, wo auch Korais lebte, der sich in seinen Prolegomena zu Isokrates und Plutarch gegen Bartholdy gewendet hatte. Bartholdy, durch das allgemeine Lob hochm\u00fctig geworden, beschafft sich erbost die Prolegomena-Texte. Wutentbrannt sinnt er auf Rache und macht die Wohnung des alten Gelehrten ausfindig, der wagt, die veredelten aufgekl\u00e4rten europ\u00e4ischen V\u00f6lker mit dem barbarischen Orient zu vergleichen.<\/p>\n<p>Dann folgt die Inszenierung der Begegnung zwischen Korais und Bartholdy-Xouth, die in Wirklichkeit niemals stattfand. Bartholdy fordert Genugtuung f\u00fcr die ihm angetane Schmach, Korais lehnt ein Duell ab und bietet ihm statt dessen eine intellektuelle Auseinandersetzung an. Die Europ\u00e4er t\u00e4ten Unrecht, indem sie einer Nation immer wieder die alten Wunden aufrissen, der sie ihre ganze Zivilisation verdankten:<\/p>\n<p><em>(&#8230;) dass schlussendlich viele der europ\u00e4ischen Griechenland-Reisenden sich nur vom Leben und Leiden Dritter leiten lassen und eher die Fliegen als die Bienen nachahmen in der Auswahl ihrer Themen, mit denen sie sich befassen. Oder sie geben sich den Gen\u00fcssen eines sorglosen Lebens hin und kopieren die Berichte fr\u00fcherer Reisender, die sie unter eigenem Namen ver\u00f6ffentlichen, und stellen sich dadurch als l\u00e4cherliche Nach\u00e4ffer<\/em> <em>oder sch\u00e4ndliche Scharlatane der Aufkl\u00e4rung dar&#8230; <\/em><\/p>\n<p>Pitsipios bezieht sich dabei auf ein Argument von Korais, das dieser \u00fcber Bartholdy ge\u00e4u\u00dfert hatte. Korais definiert die Menschenliebe der Reisenden folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>Es braucht Menschenliebe, um nicht wie die Schmei\u00dffliege an den Abf\u00e4llen eines Volkes klebenzubleiben, sondern wie die Biene auch das Gute in ihm zusammenzutragen.<\/em><\/p>\n<p>Xouth-Bartholdy berichtet seine Geschichte weiter: Durch seine Gutgl\u00e4ubigkeit und seine Eitelkeit sei er in gro\u00dfe finanzielle Schwierigkeiten geraten, die ihn ins Gef\u00e4ngnis f\u00fchren. Da hilft ihm \u00fcberraschend ein Landsmann, der in Paris lebt, aus der Klemme und bezahlt seine Schulden. Bartholdy zieht im Haus seines Wohlt\u00e4ters ein und verf\u00e4llt dessen Frau, einer Meg\u00e4re der schlimmsten Art. 1825 ermordet Bartholdy seinen Wohlt\u00e4ter und flieht nach England. Auf der Flucht erscheint ihm im Traum der Geist des Ermordeten. Am n\u00e4chsten Morgen hat er die Sprache verloren und kann sich nurmehr durch Zeichen verst\u00e4ndigen. Er besteigt ein Schiff nach Amerika. Auf der Reise wird er von schrecklichen Alptr\u00e4umen und Visionen verfolgt, der Tote und seine Frau lassen ihn nicht los. Er ist dem Wahnsinn und dem Selbstmord nahe; in Nea Aurelia angekommen, ergreift er die Flucht aus der Stadt, die ihm schier untertr\u00e4glich ist. Er verbringt einige Zeit in einem verlassenen Waldgebiet und findet ein wenig Ruhe. Als er sich einem Dorf n\u00e4hert, erscheint das Gespenst wieder in all seiner Schrecklichkeit.<\/p>\n<p>Eine Stimme verk\u00fcndigt ihm, dass er aus der menschlichen Gemeinschaft ausgesto\u00dfen sei, und erst wieder in ihr leben d\u00fcrfe, wenn er durch die Gnade einer g\u00f6ttlichen Entscheidung die Sprache wiedererlange. Bartholdy-Xouth sucht sich eine H\u00f6hle und lebt einsam und allein wie ein Mensch der Steinzeit zur S\u00fchne seines Verbrechens. Pitsipios l\u00e4sst nun Bartholdy ausdr\u00fccklich zu Rousseau Stellung nehmen, indem er seinen Thesen widerspricht, die behaupteten, der Mensch k\u00f6nne au\u00dferhalb der Gesellschaft gl\u00fccklich sein. Er zeichnet die vergehenden Tage und Monate auf und bald sind sieben Jahre in der Ein\u00f6de und au\u00dferhalb der Menschen vergangen, in denen er wie ein wildes Tier lebte und unter seinem Exil litt. Seine Kleidung war schon lange aufgel\u00f6st und durch Umwelteinfl\u00fcsse ver\u00e4nderte sich seine Haut (schwarz und behaart) und sein Gesicht, das kaum noch als menschliches wiederzuerkennen war.<\/p>\n<p>Eines Tages erblickt er ein Paar europ\u00e4ischer Schuhe, als er einen probieren m\u00f6chte, entpuppt er sich als Tierfalle. Eine Anzahl von Affenj\u00e4gern nehmen ihn in Gewahrsam und ketten ihn an, sie f\u00fchren ihn in die Stadt Nea Aurelia. Bartholdy-Xouth erkennt, dass ihm die Sprache versagt bleibt, obwohl er nunmehr in die Gesellschaft der Menschen zur\u00fcckkehrt und auch nicht mehr von seinem Gespenst gemartert wird. Er sieht ein, dass er als sprachloses Tier unter den Menschen leben und auf die g\u00f6ttliche Gnade warten muss. Er wird als Affe an einen jungen Franzosen verkauft, der ihn schlie\u00dflich ohne Kette h\u00e4lt und ihn verschiedene Hausarbeiten verrichten l\u00e4sst. Als sein neuer Herr bemerkt, wie gern er Kleidung tr\u00e4gt, stattet er ihn dementsprechend aus: mit Hosen, Schuhen und Zylinder. Bartholdy-Xouth entschlie\u00dft sich, die Rolle des Affen m\u00f6glichst perfekt zu spielen und sein Schicksal anzunehmen, das ihn so f\u00fcr seine Untat b\u00fc\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1722\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_2-e1492065037635.jpg\" alt=\"Xouth_2\" width=\"450\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p>Der deutsche Reisende steht stellvertretend f\u00fcr die europ\u00e4ische Kultur, die sich der Mimesis der Antike verdankt. Er meuchelt seinen Wohlt\u00e4ter, d. h. die griechische Tradition, durch seinen kritischen Reisebericht.<\/p>\n<p>Jacob Levi Salomon Bartholdy wurde 1779 Berlin in geboren und ist 1825 in Rom verstorben. Er reiste 1803-4 nach GR und ver\u00f6ffentlichte 1805 in Berlin seine so hei\u00df umstrittenen \u00abBruchst\u00fccke zur n\u00e4hern Kenntni\u00df des heutigen Griechenlands\u00bb. Er bereiste Euboia, Thessalien, das Tempetal, das \u00c4g\u00e4ische Meer bis Smyrna. Vor Bartholdy war als einer der wenigen Reisenden aus dem deutschsprachigen Raum nur Johann Hermann von Riedesel nach Griechenland gereist. Somit z\u00e4hlt Bartholdys Reisebericht zu einem der ersten deutschsprachigen Zeugnisse \u00fcber die real existierende Levante, die \u00fcber eine Reise nach Sizilien und Rom sowie ertr\u00e4umte Altert\u00fcmer wie bei Winckelmann, H\u00f6lderlin, Goethe und Lessing hinausgeht.<\/p>\n<p>Bartholdys Bericht wird heute von Forschern der Reiseliteratur als die erste systematische \u00dcberblicksstudie eines Europ\u00e4ers \u00fcber Griechenland betrachtet. Damals jedoch erhob sich unter den Griechen der Diaspora ein w\u00fctender Proteststurm gegen diese Schrift. Er habe sich zu unpassenden Vergleichen zwischen Alt- und Neugriechen und zwischen Griechenland und den fortgeschritteneren europ\u00e4ischen Nationen hinrei\u00dfen lassen, woraus eine griechenfeindliche Argumentation entstanden sei.<\/p>\n<p>Korais \u00e4u\u00dfert sich in einer Reihe von Briefen an seinen Freund und Vertrauten Alexandros Vasileiou in Wien zwischen 1806 und 1808 \u00fcber Bartholdy. Bereits im ersten Brief, in dem Bartholdy Erw\u00e4hnung findet, vom 9. Mai 1806 bedr\u00e4ngt er Vasileiou f\u00f6rmlich, eine geeignete Entgegnung auf Bartholdys Behauptungen zu verfassen. Und zwar hat Korais die Ver\u00f6ffentlichung des Buches einer Besprechung in der \u00abJenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung\u00bb entnommen. Einige Hinweise in der Rezension lassen Korais aufhorchen und misstrauisch werden und er legt seinem Freund eine Lekt\u00fcre des Buches ans Herz.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt konnte er noch gar nicht wissen, dass Bartholdy sehr ausf\u00fchrlich und kritisch auf seine 1803 in Paris vorgetragene Schrift \u00abM\u00e9moire sur l\u00b4\u00e9tat actuel de la civilisation dans la Gr\u00e8ce\u00bb eingeht. Schlie\u00dflich entgegnet Korais selbst in den Prolegomena zu Isokrates 1807 und zu Plutarch 1809. Im Januar 1808 erf\u00e4hrt Korais, Bartholdy sei in Paris und harrt bereits auf dessen \u00abAufwartung\u00bb: <em>Mir kam zu Ohren, dass wir ihn hier haben; sollte ihn der Teufel erleuchtet haben, mich aufzusuchen<\/em>!<\/p>\n<p>Selbst im Jahr 1815 in einem Brief an Hobhouse hat Korais Bartholdys Angriffe auf Griechenland immer noch nicht ganz verwunden. Viele Reisende, formuliert er damals, h\u00e4tten aus Misanthropie und Leichtfertigkeit den Fehler gemacht, die Neugriechen mit den aufgekl\u00e4rten V\u00f6lkern Europas zu vergleichen, zu einem Zeitpunkt, als erstere gerade anfingen, sich von ihrer Unterjochung moralisch zu befreien.<\/p>\n<p>Bartholdys Werk besteht aus mehreren Genres: der Abhandlung, der einfachen historischen Erz\u00e4hlung und aus Briefen bzw. Tagebuchaufzeichnungen. Im Abschnitt \u00abUeber die Cultur der Neugriechen, \u00fcber ihren Tanz, ihre k\u00f6rperliche Bildung, und den Zustand der Bildhauerei, Malerei und Poesie unter ihnen\u00bb entwirft Bartholdy seine Argumentation im Dialog mit Korais\u00b4 \u00abM\u00e9moire sur l\u00b4\u00e9tat actuel de la civilisation dans la Gr\u00e8ce\u00bb.<\/p>\n<p>Er nimmt folgende Stellung in der Frage Griechenland zwischen Orient und Okzident ein: Er bildet sich sein Urteil \u00fcber die Griechen als Abendl\u00e4nder und nicht als Orientalen, die er in einem eigenen Kapitel \u00fcber die T\u00fcrken ausdr\u00fccklich gegen die Vorurteile der Abendl\u00e4nder verteidigt. Auch bildlich werden die Beschriebenen dargestellt: Der Maler und Kupferstecher und Arch\u00e4ologe Georg Christian Gropius geh\u00f6rte zu Bartholdys Reisegesellschaft und seine Illustrationen schm\u00fcckten schlie\u00dflich den Reisebericht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1716\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132751.jpg\" alt=\"Xouth_5\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132751.jpg 1024w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132751-300x225.jpg 300w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132751-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Bartholdy kritisiert Korais, der verschiedene Ph\u00e4nomene als vergangen und \u00fcberwunden darstellt, die es \u2013 seiner Meinung nach \u2013 bei weitem noch nicht seien. Was etwa die Rolle des abergl\u00e4ubischen und unwissenden Klerus betrifft,\u00a0 h\u00e4lt Bartholdy die von Korais hervorgehobene Anzahl der Gelehrten und B\u00fccher in Griechenland f\u00fcr \u00fcbertrieben. In Bartholdys Augen schildert Korais die \u00dcbel der Gegenwart und nicht die der Vergangenheit. Und auch \u00fcber den Zustand der Bildung f\u00e4llt er ein hartes Urteil. Seine Position zu Original und Imitat, Urbild und Abbild ist eindeutig:<\/p>\n<p><em>Aber die Enf\u00f6rmigkeit, Beschr\u00e4nktheit und Langweiligkeit in der Unterhaltung ist kaum zu verwinden. Hierzu kommt der gr\u00e4nzenlose Stolz und die Eitelkeit auf Vorfahren, deren Namen und Geschichte sie nicht einmal kennen. Die Ziererei und Affectation, zuweilen europ\u00e4ische Sitten und Gebr\u00e4uche nachzuahmen u. s. w. Ein Mann in Korinth, den ich kenne, hatte geh\u00f6rt, dass die Franken h\u00f6here Sophas h\u00e4tten, als in der Levante \u00fcblich sind; er lie\u00df sich daher einen so hohen verfertigen, dass man schlechterdings nicht ohne Schemmel oder Sprung hinauf kommen konnte. Solche Carricaturen sieht man alle Tage.<\/em><\/p>\n<p>Zum Abschluss \u00e4u\u00dfert sich Bartholdy nochmals zusammenfassend \u00fcber die kulturellen Leistungen der Neugriechen. Die Wissenschaft und K\u00fcnste seien verwahrlost, die Griechen geistlos und entkr\u00e4ftet:<\/p>\n<p><em>Mir erscheint Griechenland wie ein ehemals herrlicher Wald, der voll der \u00e4ltesten und seltensten B\u00e4ume stand. Diese sind s\u00e4mmtlich gef\u00e4llt worden, und die Hoffnung, frische St\u00e4mme den alten St\u00fcmpfen aufzusetzen, ist verloren. Ja es erschweren diese schlechten Stubben eben die neue Kultur, obgleich es nichts weniger als unm\u00f6glich ist, sie auszurotten und wegzur\u00e4umen, und eine neue Schonung anzulegen. Ob und wie diese nun gedeihen werde, liegt verborgen; zumal da man jetzt fremde H\u00f6lzer einheimisch machen wird, wo zuvor die Natur alles freiwillig und freudig gab. Die Vertreibung der T\u00fcrken aus Europa ist nur eine erste Bedingung, und es ist l\u00e4cherlich vor der Hand von den Neugriechen gro\u00dfe Dinge verheissen zu wollen, da es schon M\u00fche kosten wird, sie den \u00fcbrigen europ\u00e4ischen Nationen auch nur gleich zu machen.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1706\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132744.jpg\" alt=\"Xouth_9\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132744.jpg 1024w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132744-300x225.jpg 300w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132744-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Wer war eigentlich dieser Jakob Salmonon Bartholdy? Wenn man sein famili\u00e4res Umfeld und seine Konversion vom Judentum zum Christentum n\u00e4her betrachtet, kommt man nicht umhin, eine aufeinander folgende Verwandlung von Familiennamen und die Metamorphosen von Identit\u00e4ten zu beobachten.<\/p>\n<p>Gibt man den Namen Bartholdy beispielsweise in die Suchmaschine einer Datenbank ein, so werden eine F\u00fclle von Titeln zu Felix Mendelssohn Bartholdy ausgespuckt. Unser Bartholdy hat nun tats\u00e4chlich etwas mit der Familie Mendelssohn Bartholdy zu tun, und zwar war er der Bruder von Felix und Fanny Mendelssohn Bartholdys Mutter Lea, geb. Salomon. Jakob S. Bartholdys Gro\u00dfvater (m\u00fctterlicherseits) war Daniel Itzig, als Hofbankier, M\u00fcnzunternehmer, Lederfabrikant und Eisenh\u00fcttenbesitzer einer der reichsten Juden seiner Zeit.<\/p>\n<p>Itzig hatte 1779, also im Geburtsjahr seines Enkels Jakob, die \u00abehemalige sogenannte Bartholdis Meyerey vor dem Schlesischen Thore mit allen Geb\u00e4uden, G\u00e4rten, Feldern und Wiesen, auch das dazu geh\u00f6rige Inventarium inclusive der M\u00fchle und M\u00fcller-Haus vor dem Schlesischen Thore\u00bb erworben. Dort hatte Bella Salomon nach dem Tod ihres Mannes, Jacob Levin Salomon, ihre drei Kinder aufgezogen (Jakob, Isaak, Lea). Das Gut war nach dem hohen preu\u00dfischen Beamten Friedrich Christian Freiherrn von Bartholdy benannt worden, der 1714 kinderlos verstorben war. Daniel Itzig hatte durch Friedrich Wilhelm II 1791 ein Naturalisationspatent erhalten, der ihm mitsamt seiner Nachfahren und angeheirateter Personen zubilligte, als christliche B\u00fcrgerfamilie mit den gleichen Rechten wie Christen behandelt zu werden. Dadurch war Abraham Mendelssohn, der Gatte von Bartholdys Schwester Lea und Vater von Felix und Fanny, 1804 preu\u00dfischer B\u00fcrger geworden.<\/p>\n<p>Sebastian Hensel, der Sohn Fanny Mendelssohn Bartholdys, hat einen Brief Jakob Salomon Bartholdys an seinen Schwager Abraham Mendelssohn \u00fcberliefert, in dem Bartholdy versucht, Mendelssohn von der Richtigkeit der Konversion zu \u00fcberzeugen:<\/p>\n<p><em>Man kann einer gedr\u00fcckten, verfolgten Religion treu bleiben, man kann sie seinen Kindern als eine Anwartschaft auf ein sich das Leben hindurch verl\u00e4ngerndes M\u00e4rtyrertum aufzwingen \u2013 solange man sie f\u00fcr die alleinseligmachende h\u00e4lt. Aber sowie man dies nicht mehr glaubt, ist es eine Barbarei. \u2013 Ich w\u00fcrde raten, dass Du den Namen Mendelssohn Bartholdy zur Unterscheidung von den \u00fcbrigen Mendelssohns annimmst, welches mir um so angenehmer sein wird, da es die Art ist, auch mein Andenken bei ihnen zu erhalten, und wor\u00fcber ich mich herzlich freue. So erreichst du Deinen Zweck, ohne etwas Ungew\u00f6hnliches zu tun \u2013 denn in Frankreich und \u00fcberall ist es Brauch, den Namen der Verwandten der Frau dem seinigen als Unterscheidung beizuf\u00fcgen.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1710\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132746.jpg\" alt=\"Xouth_7\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132746.jpg 1024w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132746-300x225.jpg 300w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132746-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Abraham hatte seine Kinder christlich erzogen und sie allesamt 1816 taufen lassen, w\u00e4hrend er mit seiner Frau 1822 \u00fcbertrat und fortan, ganz im Sinne seines Schwagers, den Doppelnamen Mendelssohn Bartholdy<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> trug zur Unterscheidung von den j\u00fcdischen Mendelssohns (v.a. seinem Bruder Joseph). Ahnherr der Mendelssohn-Familie war Moses ben Mendel, der sich zun\u00e4chst, nach seinem Geburtsort, Moses Dessau nannte und sp\u00e4ter als Autor gelehrter Werke seinen Namen in \u00abMoses Mendelssohn\u00bb eindeutschte.<\/p>\n<p>Sebastian Hensel schreibt in seiner Familienbiographie der Mendelssohns \u00fcber die allgemeine Lage der Juden in Preu\u00dfen zur Zeit von Moses Mendelssohn:<\/p>\n<p><em>Hier war ihnen das Wohnen in Eckh\u00e4usern verboten, dort wurde ihnen nur eine bestimmte Anzahl Heirathen erlaubt, \u00fcberall aber belastete man sie ausser den allgemeinen Staatssteuern noch mit den verschiedenartigsten Abgaben, theilweise ausgesucht beleidigender Art. So z. B. wurde unter Friedrich Wilhelm I. die Berliner Judenschaft gen\u00f6thigt, die auf den grossen Hofjagden erlegten Wildschweine zu kaufen, und unter Friedrich dem Grossen musste jeder Jude bei seiner Verheirathung f\u00fcr eine bestimmte Summe Porzellan aus der neugegr\u00fcndeten K. Porzellanmanufaktur in Berlin entnehmen, und zwar nicht nach eigener Wahl, sondern nach dem Belieben der Manufaktur, die sich auf diese Weise nat\u00fcrlich ihre Ladenh\u00fcter vom Halse schaffte. So bekam Moses Mendelssohn, der damals schon allgemein bekannte und geachtete Mann, 20 lebensgrosse, massiv porzellanene Affen, von denen sich noch einige in der Familie erhalten haben.<\/em><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>1812 hatte Friedrich Wilhelm II das Emanzipationsgesetz unterzeichnet, das die bisherigen \u00abSchutzjuden und Fremden\u00bb in \u00abEinl\u00e4nder und preu\u00dfische Staatsb\u00fcrger\u00bb umwandeln sollte. Die preu\u00dfischen Juden mussten nun feste Familiennamen annehmen. Bella Salomon, Witwe des Bankiers Jacob Salomon, nahm damals den Namen Bartholdy an, wobei sie geltend machte, dass ihre S\u00f6hne Jacob und Isaac diesen Namen schon einige Jahre f\u00fchrten. Jakob hatte sich einigen Quellen nach 1799 (das w\u00e4re das Todesjahr seines Gro\u00dfvaters Daniel Itzig und <u>vor<\/u> seiner Reise nach Griechenland gewesen), anderen Quellen nach 1805 (also erst <u>nach<\/u> seiner Reise nach Griechenland) protestantisch taufen lassen. Eine Pikanterie am Rande dabei ist, dass Bella Salomon ihrem Sohn Jakob die Konversion erst 1821 endg\u00fcltig verzieh, als die junge Fanny Mendelssohn Bartholdy f\u00fcr ihren Onkel bei ihr intervenierte.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war Jakob Salomo Bartholdy schon l\u00e4ngst preu\u00dfischer Generalkonsul in Rom und preu\u00dfischer Gesch\u00e4ftstr\u00e4ger am Toskanischen Hof. Er war bald nach Erscheinen seiner griechischen Reiseschilderungen in den diplomatischen Dienst getreten, zun\u00e4chst unter Staatskanzler Hardenberg. Er verfasste noch einige weitere historische Arbeiten: 1814 ver\u00f6ffentlichte er ein Geschichtswerk \u00fcber den \u00abKrieg der Tyroler Landleute im Jahre 1809\u00bb, 1822 die Studie \u00abDenkschriften \u00fcber die geheimen Gesellschaften im mitt\u00e4glichen Italien, und insbesondere \u00fcber die Carbonari\u00bb und schlie\u00dflich 1824 eine Biographie des Kardinals Hercules Consalvi. Er soll bis knapp vor seinem Tod 1825 an einem Manuskript \u00fcber die Gl\u00e4ser des Altertums gearbeitet haben. In der Kunstgeschichte hatte er sich einen Namen als F\u00f6rderer und Auftraggeber der sog. Nazarener gemacht, junger deutscher K\u00fcnstler, die einen Raum seiner Residenz in Rom, die Casa Bartholdy, mit Fresken ausmalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1704\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132743.jpg\" alt=\"Xouth_10\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132743.jpg 1024w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132743-300x225.jpg 300w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/P4132743-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Weiters ist interessant, dass Jakob Salomon Bartholdy nicht der einzige im Umfeld des Mendelssohn-Clans war, der sich f\u00fcr das moderne Griechenland interessierte. Wilhelm Hensel, der Ehemann von Fanny Mendelssohn Bartholdy, hatte im Rausch der Begeisterung \u00fcber den griechischen Aufstand einige philhellenische Verse verfasst. Felix Mendelssohn Bartholdys \u00e4ltester Sohn Karl verfasste eine Monographie \u00fcber Kapodistrias und schlie\u00dflich ein zweib\u00e4ndiges Werk \u00fcber die Geschichte Griechenlands seit 1453. Er stand in Kontakt zu griechischen Gelehrten und war insgesamt viermal nach Griechenland gereist. Seine akademische Laufbahn \u2013 er war inzwischen Professor in Heidelberg und Freiburg geworden \u2013 wurde durch den Ausbruch einer seelischen Krankheit j\u00e4h abgebrochen, die ihn f\u00fcr fast 30 Jahre in eine geschlossene Anstalt f\u00fchrte, wo er auch, vergessen und von seiner Familie totgeschwiegen, starb.<\/p>\n<p>Die Verwandlung des Reisenden Jakob Salomon Bartholdy in einen Orangutan wird in Pitsipios\u00b4 Text auch durch die angebliche exorbitante H\u00e4sslichkeit Bartholdys erl\u00e4utert. Im \u00abNeuen Nekrolog der Deutschen\u00bb, 1825, findet sich ein Nachruf mit folgender, nicht gerade schmeichelhaften, Personenbeschreibung:<\/p>\n<p><em>Bartholdy war klein und schm\u00e4chtig von Gestalt, etwas h\u00f6ckerig und auch seine Beine trugen Spuren eines fr\u00fchern rhachitischen Uebels. Sein Kopf war rein morgenl\u00e4ndisch, die j\u00fcdische Abkunft auf den ersten Blick unverkennbar. Die Haare waren schwarz, beinahe negerartig und fr\u00fch mit Grau gemischt. Das Gesicht war voll Sagazit\u00e4t &lt;Scharfsinn&gt;, nur durch schwache h\u00e4ufig etwas entz\u00fcndete Augen entstellt.<\/em><\/p>\n<p>Die Verwandlung des deutschen Griechenlandreisenden Bartholdy in einen Orangutan gewinnt eine weitere Dimension, wenn man im Vergleich dazu die Amsterdamer Briefe von Korais\u00b4 Diener Stamatis Petrou \u00fcber die schrittweise innere und \u00e4u\u00dfere \u00abMetamorphose\u00bb und \u00abVerwestlichung\u00bb seines Herrn liest. 1771 begleitet Petrou einen Teilhaber seines Dienstherrn wiederum nach Amsterdam, den blutjungen Adamantios Korais. Petrou verfolgt mit Argwohn die Ver\u00e4nderung des jungen Kaufmanns, der mit den Einstellungen eines traditionellen orthodoxen Christen nach Amsterdam kommt und rasch den neuen Str\u00f6mungen \u00aberliegt\u00bb. Zwischen 1772 und 1774 schreibt Petrou vierzehn lange Briefe an seinen Dienstherrn, in denen er Korais\u00b4 schrittweise Verwandlung beobachtet und schildert. Dabei handelt es sich um ein seltenes Zeugnis \u00fcber den Eindruck, den Europa auf einen jungen, unerfahrenen Griechen macht, durch die Perspektive eines des Schreibens kundigen \u00abeinfachen Mannes aus dem Volk\u00bb. Und Korais reagiert vielleicht deshalb so scharf auf Bartholdy, weil er sein eigenes \u00fcberwundenes Ich in den Reiseschilderungen vor sich sieht, das er erst langsam und in Europa abstreifen konnte. Petrou repr\u00e4sentiert die kollektive Mentalit\u00e4t der konservativen, der Tradition verhafteten griechischen Bev\u00f6lkerung, w\u00e4hrenddessen Korais den \u00dcbergang zum liberalen B\u00fcrgertum nach europ\u00e4ischem Muster darstellt.<\/p>\n<p>Die entstehende Spaltung in der griechischen Gesellschaft zwischen den Traditionalisten und den Aufkl\u00e4rern illustrieren Petrous Briefe sehr anschaulich. Petrou erschrickt vor der Nachahmung des Anderen und Neuen im Gegensatz zur gewohnten Wiederholung und Nachahmung des Bekannten und Vertrauten. Innerhalb eines Jahres ver\u00e4ndert sich der junge Kaufmann in f\u00fcr Petrou haarstr\u00e4ubender Weise. Der gr\u00f6\u00dfte Skandal ergibt sich aus dem Wechsel von orientalischer zu europ\u00e4ischer Kleidung. In einer Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Szenerie schildert Petrou, wie Korais z\u00f6gert und sich mit griechischen Kollegen beratschlagt, ob er nicht tags\u00fcber die orientalische und nachts die westliche Kleidung anlegen soll, um mit seiner \u00abamorosa\u00bb ausgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Er, der zu anfangs weder seinen Umhang ablegen noch seinen Schnurrbart abschneiden wollte, bestellt nun tagt\u00e4glich den Per\u00fcckenmacher zu sich, damit er ihn eine Stunde lang frisiert. Wenn jemand Ware besichtigen m\u00f6chte, muss er so lange warten, bis seine Per\u00fccke fertig frisiert ist, bevor sie sich \u00fcber Gesch\u00e4fte unterhalten k\u00f6nnen. Bevor er in die Handelsb\u00f6rse geht, kleidet er sich von halb elf bis halb ein Uhr an und hat stets den Spiegel bei sich, die Pinzette und eine kleine Schere, als sei er eine Jungfrau. Er hat sich dar\u00fcberhinaus noch die absto\u00dfende Eigenart angew\u00f6hnt, immer vor dem Spiegel zu stehen. Sein Hut gleicht dem franz\u00f6sischer Kom\u00f6dianten; die Schnallen seiner Schuhe tr\u00e4gt er nicht wie alle anderen H\u00e4ndler, sondern er ahmt seinen Sekret\u00e4r nach, der sie verkehrt herum auf den Schuhen tr\u00e4gt und er tut es ihm gleich.<\/em><\/p>\n<p>Stamatis Petrou k\u00f6nnte man auch als Korais\u00b4 Schatten- oder Doppelg\u00e4ngerfigur bezeichnen; Korais verh\u00e4lt sich Petrou gegen\u00fcber so unleidlich, weil er sein eigenes fr\u00fcheres, nunmehr abgelegtes Ich in ihm erkennt und seine eigenen \u00c4ngste vor einer Metamorphose verarbeitet. Der kulturelle Wandel einer Gesellschaft oder Gesellschaftsschicht wird im Bild der Verwandlung einer bestimmten Person kodiert. Der kulturelle Wandel wie auch die individuelle Verwandlung sind unheimlich und angsteinfl\u00f6\u00dfend.<\/p>\n<p>Zu Korais\u00b4 Verwandlungsszene l\u00e4sst sich gut das Einleitungskapitel des Fragments \u00abDer Affe Xouth\u00bb assoziieren:<\/p>\n<p>Kallistratos Evjenidis ist im Jahre 1844 nach Studien im aufgekl\u00e4rten Europa nach Athen zur\u00fcckgekehrt und gilt als einer der hoffnungsvollsten jungen M\u00e4nner. Der Orangutan Xouth war in London in seinen Besitz gelangt. Kallistratos ist der Sohn eines Lastentr\u00e4gers aus Trapenzunt, der unvermutet w\u00e4hrend des Aufstands zu Reichtum gekommen war und ihn seinem Sohn, den er nach Europa schickte, hinterlie\u00df. Kallistratos, der eigentlich Kolias hie\u00df, \u00e4nderte in Europa seine Identit\u00e4t. Aus dem Lastentr\u00e4ger wird also ein K\u00e4mpfer f\u00fcr das Vaterland und aus dem Mann aus Trapenzunt ein Bankier. Er l\u00e4sst keine Mode aus Europa aus, die er nicht sogleich \u00fcbernimmt und perfektioniert: Kleidung, Schuhe, Frisur, Hutmode. In der Anfangssequenz wird seine Athener Wohnung beschrieben, die jegliche europ\u00e4ischen Moden nach\u00e4fft; in der Kallistratos-Figur parodiert Pitsipios einesteils die Orientalismus-Manie der Europ\u00e4er und andernteils die Vergangenheits- und Herkunftsf\u00e4lschung in Kallistratos Evjenidis\u00b4 Leben. Der l\u00e4sst n\u00e4mlich seinen angeblichen Vater als Freiheitsk\u00e4mpfer der ersten Stunde in Fustanella darstellen sowie seine angebliche Mutter als europ\u00e4ische lesende Dame malen, die aus einem byzantinischen Adelsgeschlecht stammen soll.<\/p>\n<p>Kallistratos folgt auch der europ\u00e4ischen Mode der Arch\u00e4ologie und hat eine ganze Sammlung angelegt: die Brillen Homers, die Tabakdose des Sokrates, die Pfeife des Peisistratos, die Schuhe des Diogenes. Das Ankleidezimmer und die Sch\u00f6nheitsw\u00e4sserchen werden besonders ausf\u00fchrlich beschrieben. Er befindet sich im Besitz der Rasierklingen Alexanders d. Gr., die er in Paris um nur 10000 Francs erstanden hat. Xouth bedient seinen Herrn bei seiner morgendlichen Sch\u00f6nheitsbehandlung und Rasur mit den ber\u00fchmten Rasierklingen. Es kommt nun zu einer Szene, in der der Affe Xouth seinen Herrn nachahmt und versucht sich zu rasieren. Dabei wird er von Kallistratos unterbrochen. Xouth l\u00e4sst die Klingen fallen, die zerbrechen und Kallistratos l\u00e4sst seiner Wut freien Lauf, schleudert seinen Bedienten im Zimmer herum und verpr\u00fcgelt ihn nach Strich und Faden. Schlie\u00dflich z\u00fcckt er seinen Degen und in diesem Moment erlangt der Affe seine F\u00e4higkeit zu sprechen wieder und beginnt seine Lebensgeschichte zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1724\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_3.jpg\" alt=\"Xouth_3\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_3.jpg 1024w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_3-300x225.jpg 300w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Xouth_3-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Oft schl\u00fcpft der Satiriker in die Rolle des Affen, die ihm einen anderen Blick auf die Menschheit erlaubt, oder in die des Reisenden in die eigene Heimat, wobei den Landsleuten den Spiegel vorgehalten wird. Der Affe wird zum Nachahmer der menschlichen Natur, zur <em>imago hominis<\/em>, zum Doppelg\u00e4nger des Menschen, und damit letztendlich zu seiner Karikatur. Der Kulturmensch wird als gelehriger Affe wiedergegeben, der dressierte Affe zum Bildungsziel unserer Kultur. Die andere Seite ist der Affe als Saboteur aller Kultur, als Symbol der verdr\u00e4ngten W\u00fcnsche und schlimmsten Bef\u00fcrchtungen: wie zum Beispiel als M\u00f6rder. Ein Widerspruch tut sich auf zwischen der grunds\u00e4tzlichen Dressurf\u00e4higkeit und der grunds\u00e4tzlichen Undressierbarkeit des Affen. Der literarische Affe artikuliert Kulturkritik, indem er die Aufkl\u00e4rung in Zweifel zieht. Hinter all diesen Man\u00f6vern wird Rousseaus Kulturkritik greifbar: der Affe als zweifache Metapher \u2013 einerseits f\u00fcr den von Rousseau als widernat\u00fcrlich bezeichneten Kulturmenschen, andererseits f\u00fcr den unschuldigen Naturmenschen, den <em>bon sauvage<\/em>.<\/p>\n<p>Die Stellung der griechischen Satiriker und Kulturkritiker liegt irgendwo dazwischen: zwischen der Kritik an der abendl\u00e4ndischen Zivilisation, die sich doch auf die \u00abureigene\u00bb griechisch-antike Tradition beruft, und der Rousseauschen Sehnsucht nach der R\u00fcckkehr zum Originalen und Authentischen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>Der Kulturmensch wird des \u00f6fteren als gelehriger Affe, der dressierte Affe als Bildungsziel unserer Kultur dargestellt. Dabei wird gelungene Kultur zur gelungenen Anpassung, Anpassung zur gelungenen Nachahmung. Die andere Seite ist der Affe als Saboteur aller Kultur, als Symbol der verdr\u00e4ngten W\u00fcnsche und schlimmsten Bef\u00fcrchtungen. Ein Widerspruch tut sich auf: die grunds\u00e4tzliche Dressurf\u00e4higkeit und die grunds\u00e4tzliche Undressierbarkeit des Affen. Gerigk, H.-J.: Der Mensch als Affe in der deutschen, franz\u00f6sischen, russischen englischen und amerikan. Literatur des 19. u. 20. Jhdts. H\u00fcrtgenwald, Guido Pressler Verlag 1989.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>Schneider, M. F.: Mendelssohn oder Bartholdy? Zur Geschichte eines Familiennames. Basel 1962.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>Die Familie Mendelssohn. 1729-1847. Nach Briefen und Tageb\u00fcchern. Von S. Hensel. Mit 8 Portr\u00e4ts, gezeichnet von Wilhelm Hensel. Berlin: B. Behr\u00b4s Buchhandlung (E. Bock) 1880, 1-2.<\/p>\n<p><strong>\u039a\u03b5\u03af\u03bc\u03b5\u03bd\u03bf: Michaela Prinzinger. \u03a6\u03c9\u03c4\u03cc: \u0395\u03b9\u03ba\u03bf\u03bd\u03bf\u03b3\u03c1\u03b1\u03c6\u03ae\u03c3\u03b5\u03b9\u03c2 \u03c4\u03bf\u03c5 Georg Christian Gropius \u03b1\u03c0\u03cc \u03c4\u03bf \u03bf\u03b4\u03bf\u03b9\u03c0\u03bf\u03c1\u03b9\u03ba\u03cc \u03c4\u03bf\u03c5\u00a0 J. L. S. Bartholdy \u00abBruchst\u00fccke zur n\u00e4hern Kenntni\u00df des heutigen Griechenlands\u00bb, 1805.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0391\u03c5\u03c4\u03bf\u03b8\u03b5\u03ce\u03c1\u03b7\u03c3\u03b7 \u03ba\u03b1\u03b9 \u03b5\u03c4\u03b5\u03c1\u03bf\u03b8\u03b5\u03ce\u03c1\u03b7\u03c3\u03b7 \u03c9\u03c2 \u03b1\u03b9\u03ce\u03bd\u03b9\u03bf \u03b5\u03bb\u03bb\u03b7\u03bd\u03b9\u03ba\u03cc \u03b4\u03af\u03bb\u03b7\u03bc\u03bc\u03b1: \u03ae\u03b4\u03b7 \u03c3\u03c4\u03b9\u03c2 \u03b1\u03c1\u03c7\u03ad\u03c2 \u03c4\u03b7\u03c2 \u03bd\u03b5\u03bf\u03b5\u03bb\u03bb\u03b7\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae\u03c2 \u03c0\u03b5\u03b6\u03bf\u03b3\u03c1\u03b1\u03c6\u03af\u03b1\u03c2 \u03c4\u03bf\u03c5 19\u03bf\u03c5 \u03b1\u03b9\u03ce\u03bd\u03b1 \u03b1\u03c0\u03bf\u03c4\u03b5\u03bb\u03bf\u03cd\u03c3\u03b5 \u03b8\u03ad\u03bc\u03b1 \u03b7 \u03b4\u03b9\u03ac\u03c3\u03c4\u03b1\u03c3\u03b7 \u03b1\u03bd\u03ac\u03bc\u03b5\u03c3\u03b1 \u03c3\u03c4\u03b7\u03bd \u03ad\u03bd\u03b4\u03bf\u03be\u03b7 \u03b1\u03c1\u03c7\u03b1\u03b9\u03cc\u03c4\u03b7\u03c4\u03b1 \u03ba\u03b1\u03b9 \u03c4\u03bf \u03c0\u03c1\u03bf\u03b2\u03bb\u03b7\u03bc\u03b1\u03c4\u03b9\u03ba\u03cc \u03c0\u03b1\u03c1\u03cc\u03bd \u03b5\u03bd \u03b5\u03af\u03b4\u03b5\u03b9 \u03c4\u03b7\u03c2 \u03b1\u03bd\u03b1\u03b6\u03ae\u03c4\u03b7\u03c3\u03b7\u03c2 \u03c4\u03bf\u03c5 \u03b1\u03c5\u03c4\u03bf\u03c0\u03c1\u03bf\u03c3\u03b4\u03b9\u03bf\u03c1\u03b9\u03c3\u03bc\u03bf\u03cd \u03bc\u03b5\u03c4\u03b1\u03be\u03cd \u00ab\u03c6\u03bf\u03bb\u03ba\u03bb\u03cc\u03c1\u00bb \u03ba\u03b1\u03b9 \u00ab\u03c0\u03c1\u03bf\u03c3\u03b1\u03c1\u03bc\u03bf\u03b3\u03ae\u03c2\u00bb. &hellip; <a href=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/genikou-endiaferontos\/o-pithikos-xouth-jakob-levi-salomon-bartholdy\/\" class=\"more-link\">\u03a3\u03c5\u03bd\u03b5\u03c7\u03af\u03c3\u03c4\u03b5 \u03c4\u03b7\u03bd \u03b1\u03bd\u03ac\u03b3\u03bd\u03c9\u03c3\u03b7 <span class=\"screen-reader-text\">\u039a\u03c1\u03b9\u03c4\u03b9\u03ba\u03ae \u03c0\u03ac\u03bd\u03c9 \u03c3\u03c4\u03b7 \u03b3\u03b5\u03c1\u03bc\u03b1\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae \u03b8\u03b5\u03ce\u03c1\u03b7\u03c3\u03b7 \u03c4\u03b7\u03c2 \u0395\u03bb\u03bb\u03ac\u03b4\u03b1\u03c2: \u03a4\u03bf \u03c0\u03c1\u03ce\u03b9\u03bc\u03bf \u03bc\u03c5\u03b8\u03b9\u03c3\u03c4\u03cc\u03c1\u03b7\u03bc\u03b1 \u00ab\u039f \u03a0\u03af\u03b8\u03b7\u03ba\u03bf\u03c2 \u039e\u03bf\u03c5\u03b8\u00bb (1847\/48)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1713,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,50,49],"tags":[1077,1078,1079,1080,976,59,1081,1082,1083,1084,1085,67,1086,1059,1106,1112,1108,166,1107,1110,1114,1109,1113,1111],"class_list":["post-1727","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-genikou-endiaferontos","category-logotechnia","category-politiki-tou-politismou","tag-19-jahrhundert-el","tag-affe-el","tag-anpassung-el","tag-assimilation-el","tag-deutsch-griechische-kulturbeziehungen-el","tag-griechenland-el","tag-griechenlandreisender-el","tag-mendelssohn-bartholdy-el","tag-metapher-el","tag-mode-el","tag-prosa-el","tag-roman-el","tag-verwestlichung-el","tag-1059","tag-1106","tag-1112","tag-1108","tag-166","tag-1107","tag-1110","tag-1114","tag-1109","tag-1113","tag-1111"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1727","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1727"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1727\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1727"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1727"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1727"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}