{"id":2042,"date":"2017-08-19T11:45:58","date_gmt":"2017-08-19T09:45:58","guid":{"rendered":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/?p=2042\/"},"modified":"2017-08-19T11:48:26","modified_gmt":"2017-08-19T09:48:26","slug":"petros-markaris-offshore-metafrasi-sta-germanika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/genikou-endiaferontos\/petros-markaris-offshore-metafrasi-sta-germanika\/","title":{"rendered":"Offshore \u2013 \u03a0\u03c1\u03bf\u03b4\u03b7\u03bc\u03bf\u03c3\u03af\u03b5\u03c5\u03c3\u03b7"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u0392\u03b3\u03ae\u03ba\u03b5 \u03bf \u03bd\u03ad\u03bf\u03c2 \u039c\u03ac\u03c1\u03ba\u03b1\u03c1\u03b7\u03c2 \u03c3\u03b5 \u03bc\u03b5\u03c4\u03ac\u03c6\u03c1\u03b1\u03c3\u03b7 \u03c4\u03b7\u03c2 \u039c\u03b9\u03c7\u03b1\u03ad\u03bb\u03b1 \u03a0\u03c1\u03af\u03bd\u03c4\u03c3\u03b9\u03b3\u03ba\u03b5\u03c1! A\u03c0\u03cc \u03c4\u03b9\u03c2 23 \u0391\u03c5\u03b3\u03bf\u03cd\u03c3\u03c4\u03bf\u03c5 2017 \u03c3\u03c4\u03b1 \u03b2\u03b9\u03b2\u03bb\u03b9\u03bf\u03c0\u03c9\u03bb\u03b5\u03af\u03b1. \u0394\u03b9\u03b1\u03b2\u03ac\u03c3\u03c4\u03b5 \u03b5\u03b4\u03ce \u03c4\u03bf \u03b4\u03b5\u03cd\u03c4\u03b5\u03c1\u03bf \u03ba\u03b5\u03c6\u03ac\u03bb\u03b1\u03b9\u03bf 2 \u03c4\u03bf\u03c5 \u00abOffshore\u00bb &#8230;<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u0397 \u03b4\u03bf\u03bb\u03bf\u03c6\u03bf\u03bd\u03af\u03b1 \u03b5\u03bd\u03cc\u03c2 \u03c5\u03c0\u03b1\u03bb\u03bb\u03ae\u03bb\u03bf\u03c5 \u03bb\u03cd\u03bd\u03b5\u03c4\u03b1\u03b9 \u03c3\u03b5 \u03c7\u03c1\u03cc\u03bd\u03bf \u03bc\u03b7\u03b4\u03ad\u03bd, \u03b1\u03bb\u03bb\u03ac \u03bf \u03b1\u03c3\u03c4\u03c5\u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2 \u03a7\u03b1\u03c1\u03af\u03c4\u03bf\u03c2 \u03b5\u03af\u03bd\u03b1\u03b9 \u03b4\u03cd\u03c3\u03c0\u03b9\u03c3\u03c4\u03bf\u03c2. \u038c\u03bb\u03b1 \u03b3\u03cd\u03c1\u03c9 \u03c4\u03bf\u03c5 \u03b5\u03af\u03bd\u03b1\u03b9 \u03c4\u03cc\u03c3\u03bf \u03c4\u03ad\u03bb\u03b5\u03b9\u03b1 \u03c0\u03bf\u03c5 \u03c6\u03b1\u03bd\u03c4\u03ac\u03b6\u03bf\u03c5\u03bd \u03c8\u03b5\u03cd\u03c4\u03b9\u03ba\u03b1. \u039f \u03ba\u03cc\u03c3\u03bc\u03bf\u03c2 \u03b1\u03c0\u03bf\u03bb\u03b1\u03bc\u03b2\u03ac\u03bd\u03b5\u03b9 \u03c4\u03b7 \u03b6\u03c9\u03ae \u03bb\u03b5\u03c2 \u03ba\u03b1\u03b9 \u03b4\u03b5\u03bd \u03c5\u03c0\u03ae\u03c1\u03be\u03b5 \u03c0\u03bf\u03c4\u03ad \u03ba\u03c1\u03af\u03c3\u03b7. \u0397 \u039a\u03b1\u03c4\u03b5\u03c1\u03af\u03bd\u03b1, \u03b7 \u03ba\u03cc\u03c1\u03b7 \u03c4\u03bf\u03c5, \u03b8\u03ad\u03bb\u03b5\u03b9 \u03bd\u03b1 \u03b1\u03b3\u03bf\u03c1\u03ac\u03c3\u03b5\u03b9 \u03ad\u03bd\u03b1 \u03b4\u03b9\u03b1\u03bc\u03ad\u03c1\u03b9\u03c3\u03bc\u03b1, \u03c4\u03ce\u03c1\u03b1 \u03c0\u03bf\u03c5 \u03c4\u03b1 \u03b4\u03ac\u03bd\u03b5\u03b9\u03b1 \u03b5\u03af\u03bd\u03b1\u03b9 \u03b5\u03cd\u03ba\u03bf\u03bb\u03b1. \u03a4\u03bf \u03b3\u03c1\u03ae\u03b3\u03bf\u03c1\u03bf \u03c7\u03c1\u03ae\u03bc\u03b1 \u03ad\u03c7\u03b5\u03b9 \u03c9\u03c3\u03c4\u03cc\u03c3\u03bf \u03c4\u03bf \u03c4\u03af\u03bc\u03b7\u03bc\u03ac \u03c4\u03bf\u03c5: \u03b7 \u03b4\u03bf\u03bb\u03bf\u03c6\u03bf\u03bd\u03af\u03b1 \u03c4\u03bf\u03c5 \u03c5\u03c0\u03b1\u03bb\u03bb\u03ae\u03bb\u03bf\u03c5 \u03ae\u03c4\u03b1\u03bd \u03bc\u03cc\u03bd\u03bf \u03b7 \u03b1\u03c1\u03c7\u03ae.<\/strong><a href=\"http:\/\/www.diogenes.ch\/leser\/titel\/petros-markaris\/offshore-9783257070033.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2033 size-full\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Offshore_Cover.jpg\" alt=\"Offshore_Cover\" width=\"316\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Offshore_Cover.jpg 316w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Offshore_Cover-190x300.jpg 190w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kapitel 2<\/strong><\/p>\n<p>Wann hat der Weihnachtsmann blo\u00df all die Geschenke gebracht? Und woher? Das bleibt unklar, aber es interessiert auch keinen. Hauptsache, alles ist so wie fr\u00fcher, BMWs und Mercedes rollen wieder, man geht jeden Abend aus und g\u00f6nnt sich ab und zu einen Wochenendtrip.<\/p>\n<p>Alles kam, im wahrsten Sinn des Wortes, aus dem Nichts, oder anders gesagt, \u00fcber Nacht. W\u00e4hrend sich die Griechen gerade auf die R\u00fcckkehr zur Drachme vorbereiteten und Adriani sich fragte, ob sie in weiser Voraussicht nicht lieber Vorr\u00e4te anlegen sollte, war eines Tages ganz Athen mit Plakaten zugeklebt, auf denen die Buchstaben W.W.W. prangten. Darunter stand nur eine kleine Frage: \u00bbWas w\u00e4re, wenn?\u00ab<\/p>\n<p>Es folgten Radio- und tv-Werbespots mit derselben Abk\u00fcrzung und derselben Frage, ohne weitere Erkl\u00e4rung. Die Griechen fragten sich, was das zu bedeuten habe und wer wohl hinter der Kampagne stecke. Jeder gab lang und breit seine Meinung zum Besten, die Interpretationen reichten von \u00bbQuizfrage\u00ab bis \u00bbVerschw\u00f6rung ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte\u00ab. Keiner konnte sich vorstellen, dass sich eine politische Partei dahinter verbarg. Adriani war felsenfest davon \u00fcberzeugt, dass es sich um eine pr-Aktion handelte, die das beworbene Produkt erst nach und nach enth\u00fcllte. Die Medien schworen Stein und Bein, sie w\u00fcssten von nichts. Die Reklamespots w\u00fcrden ihnen von einer pr-Agentur zugeschickt, die sich nicht weiter dazu \u00e4u\u00dfere.<\/p>\n<p>Die Verwunderung war gro\u00df, als herauskam, was die Abk\u00fcrzung W.W.W. bedeutete: Partei f\u00fcr Werte, Wirtschaft und Wohlstand. Darunter stand zum ersten Mal im vollen Wortlaut die Frage: \u00bbWas w\u00e4re, wenn wir es schaffen? Gebt uns drei Monate Zeit. Schaffen wir es nicht, treten wir ab.\u00ab Keiner nahm die Sache ernst, alle hielten es f\u00fcr eine Spa\u00dfpartei. Von den Stammtischen bis zu den tv-Morgenmagazinen machten sich alle \u00fcber W.W.W. lustig, obwohl niemand wusste, wer dahinterstand, da sich die Initianten nicht outeten und sich somit Spott und Hohn entzogen.<\/p>\n<p>Nach einem Monat fand endlich eine erste Pressekonferenz statt. Eine Gruppe von vierzigj\u00e4hrigen Politikern trat vor die Kameras und verk\u00fcndete die Gr\u00fcndung einer neuen Partei: W.W.W. sei nicht, wie sonst \u00fcblich, aus der Abspaltung von einer alten Partei entstanden, sondern es handele sich um einen \u00fcberparteilichen Zusammenschluss. Die Mittvierziger waren aus ihren Parteien ausgetreten, um einen Neuanfang zu wagen. In der Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung hielten sie fest, dass sie alte, obsolet gewordene ideologische Differenzen \u00fcberbr\u00fccken und das Land durch eine gemeinsame Initiative aus der wirtschaftlichen Talsohle f\u00fchren wollten. Die Mitglieder der neuen Partei waren keine Parlamentarier, sondern es handelte sich um Funktion\u00e4re, die vom Intrigenzirkus der politischen Parteien die Schnauze voll hatten.<\/p>\n<p>W.W.W. wartete mit keinem Programm auf, legte sich auf nichts fest und machte keine Versprechungen. Die Parteileitung beschr\u00e4nkte sich auf die Frage \u00bbWas w\u00e4re, wenn?\u00ab, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Und ihre Antwort lautete stets: \u00bbGebt uns drei Monate Zeit. Schaffen wir es nicht, treten wir ab.\u00ab<\/p>\n<p>Naturgem\u00e4\u00df fielen alle \u00fcbrigen Parteien \u00fcber W.W.W. und ihre Mitglieder her. Die Medien mokierten sich lauthals \u00fcber die Initiative, da sie sie nicht ernst nahmen. Doch die Mittvierziger von W.W.W. erwiesen sich als kl\u00fcger und besser vorbereitet als ihre Gegner und die Medienmeute.<\/p>\n<p>Wenn ein tv-Journalist mit s\u00fcffisanter Miene fragte: \u00bbNun, wie gedenken Sie, ohne Wahlprogramm die Wahlen zu gewinnen? Sollten die B\u00fcrger nicht wissen, welche Ziele Sie haben?\u00ab, brachten sie immer das gleiche entwaffnende Argument vor: \u00bbBis jetzt haben die B\u00fcrger ein Wahlprogramm gew\u00e4hlt, das dann gar nicht umgesetzt wurde. Ist es nicht besser, keine Versprechen zu machen, wenn sie nach der Wahl ohnehin nicht eingehalten werden? Ist es nicht besser, wenn der W\u00e4hler einer Gruppe junger Politiker sein Vertrauen schenkt, die keiner alten Partei und keiner Ideologie anh\u00e4ngt? Wir schlagen den griechischen B\u00fcrgern eine Regierung der nationalen Einheit vor, die sich bereits vor den Wahlen konstituiert hat.\u00ab<\/p>\n<p>Damit gebe es nach den Wahlen auch keine zerm\u00fcrbenden Koalitionsverhandlungen, die sich bis zum Jahre Schnee hinz\u00f6gen.<\/p>\n<p>Und so fand die Frage der W. W. W. \u00bbWas w\u00e4re, wenn wir es schaffen?\u00ab die logische Antwort: \u00bbMit einer Regierung der nationalen Einheit schaffen wir es.\u00ab In einem Land, in dem sich alle st\u00e4ndig gegenseitig an die Gurgel springen, glaubte man pl\u00f6tzlich, dass alles m\u00f6glich ist, wenn nur alle an einem Strick ziehen. Die s\u00fc\u00dfe Pille einer Regierung der nationalen Einheit wurde geschluckt: Die W.W.W. gewann die absolute Mehrheit, und die \u00fcbrigen Parteien rauften sich die Haare \u2013 aber jetzt war es zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Erwartungsgem\u00e4\u00df lauerten alle \u2013 die anderen Parteien, deren W\u00e4hler sowie die eigenen Gefolgsleute \u2013 mit dem Gewehr im Anschlag. Alle waren sicher, dass die W.W.W. ihre eigenen Vorgaben nicht umsetzen w\u00fcrde. Schlie\u00dflich geh\u00f6rte die Taktik \u00bbDas eine sagen und das andere meinen\u00ab zum Grundrepertoire der griechischen Parteien.<\/p>\n<p>Doch die W.W.W. wurde vom Saulus zum Paulus: Pl\u00f6tzlich begann im Land Geld zu flie\u00dfen, dessen gr\u00f6\u00dfter Teil aus Privatisierungen stammte, welche die Regierung mit einzigartigem Tempo und verk\u00fcrzten Verfahren vorantrieb.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Parteien f\u00fchlten sich dadurch in die Enge getrieben und schrien: \u00bbSie verscherbeln das Tafelsilber! Das staatliche Eigentum kommt unter den Hammer!\u00ab Die W.W.W. erwiderte darauf mit der Stimme der k\u00fchlen Vernunft: \u00bbWenn man Schulden und kein Geld mehr hat, dann verkauft man sein Haus, um sie zu bezahlen. Das tun alle Hausbesitzer, so schwer es auch f\u00e4llt.\u00ab<\/p>\n<p>Doch dabei blieb es nicht. Die W.W.W. gr\u00fcndete einen Fonds zur F\u00f6rderung von Unternehmen, die jungen Menschen Jobs anboten. Gleichzeitig setzten sie in Zusammen- arbeit mit dem privaten Versicherungssektor die Reformierung der Sozialversicherung in Gang.<\/p>\n<p>Es passierte genau das, was niemand erwartet hatte. Es zirkulierte wieder Geld auf dem Markt, die Arbeitslosig- keit sank schrittweise, und die Bev\u00f6lkerung war zufrieden \u2013 nicht, weil sie mehr Geld verdiente, sondern weil sie das Wenige, das sie hatte, nicht auch noch verlor. Innerhalb weniger Wochen hatten sich die Griechen selbst aus dem Sumpf gezogen. Verkehrsstaus, begleitet von Gehupe und Geschimpfe, waren wieder an der Tagesordnung, und die Autoh\u00e4ndler konnten endlich wieder ihre neuen Modelle unter die Leute bringen.<\/p>\n<p>Dieser Wandel hatte, wie von der W.W.W. versprochen, nur drei Monate beansprucht. Normalerweise verbindet man in Griechenland so einen Zeitraum mit Totengedenk- tagen, Seelenmessen und der traditionellen Totenspeise nach dem Ableben eines Verwandten oder Bekannten, aber diesmal wurde Hochzeitskonfekt verteilt f\u00fcr die gelungene Verm\u00e4hlung mit der W. W. W.<\/p>\n<p>Das alles geht mir durch den Kopf, w\u00e4hrend ich auf Adriani warte, um zur Auferstehungsfeier aufzubrechen. Wir haben uns f\u00fcr eine Kirche in unserem Viertel entschieden, um nicht wieder, wie am Karfreitag, ins Zentrum pilgern zu m\u00fcssen. Denn das w\u00e4re an so einem Tag das reinste Martyrium und w\u00fcrde deshalb besser zum Karfreitag passen.<\/p>\n<p>Adriani bringt die Osterkerzen, und wir machen uns zu Fu\u00df auf den Weg. Vor der Kirche erwarten uns Mania und Uli, die am Kardienstag aus Deutschland zur\u00fcckgekehrt sind, wo sie mit Ulis Eltern Ostern gefeiert haben. Beide halten Osterkerzen in der Hand und begr\u00fc\u00dfen uns mit einem L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>\u00bbHaben Sie schon die Ostersuppe vorbereitet, Frau Adriani?\u00ab, fragt Uli. Er spricht schon ganz passabel Grie- chisch, auch wenn er immer wieder eigenwillige Redewendungen kreiert.<\/p>\n<p>\u00bbKeine Sorge, Uli!\u00ab, beruhigt ihn Adriani. \u00bbOstersuppe und gef\u00e4rbte Eier stehen parat.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWann z\u00fcnden wir die Kerze an?\u00ab, fragt Uli.<\/p>\n<p>\u00bbErstens ist das keine gew\u00f6hnliche Kerze, sondern die \u203aLambada\u2039, die Osterkerze. Und zweitens bist du mittlerweile schlimmer als ein Grieche. Wenn du k\u00f6nntest, w\u00fcr- dest du zuerst die Ostersuppe essen und dann zur Auferstehungsfeier gehen\u00ab, schilt Mania und sagt dann zu Adriani: \u00bbWissen Sie, dass wir seit Mittwoch fasten, Frau Adriani? Uli wollte es so!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbBravo, mein Junge!\u00ab, reagiert Adriani begeistert. \u00bbHast du die H\u00fclsenfr\u00fcchte auch gut vertragen?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbJa, wunderbar.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDie haben ja nicht einmal mir geschadet, obwohl ich die ganzen vierzig Tage fasten musste\u00ab, werfe ich, halb im Ernst und halb im Scherz, ein.<\/p>\n<p>\u00bbSie haben die komplette Fastenzeit durchgehalten?\u00ab, staunt Mania.<\/p>\n<p>\u00bbIch habe ein Gel\u00fcbde abgelegt\u00ab, erl\u00e4utert Adriani, aber sie kann nicht n\u00e4her darauf eingehen, da der Priester \u00bbKommt und empfangt das Licht!\u00ab singt und den Gl\u00e4ubigen das heilige Licht weiterreicht.<\/p>\n<p>Uli wirft sich sofort in die Menge, und innerhalb k\u00fcrzester Zeit gelingt es ihm, seine Osterkerze anzuz\u00fcnden.<\/p>\n<p>\u00bbBravo, Mania\u00ab, meint Adriani bewundernd. \u00bbDu hast ihn zu einem richtigen Griechen gemacht.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWie lautet noch das Sprichwort f\u00fcr Eheleute, Frau Adriani?\u00ab, erwidert Mania vergn\u00fcgt. \u00bb\u203aBesser ein Schuh aus der Heimat, auch wenn er geflickt ist.\u2039 Uli ist zwar nicht aus meiner Heimat, aber ich habe ihn geflickt.\u00ab<\/p>\n<p>Auf dem Nachhauseweg schallt uns \u00fcberall der Gru\u00df \u00bbChristus ist auferstanden\u00ab entgegen.<\/p>\n<p>Adriani l\u00e4uft, sekundiert von Mania, sofort in die K\u00fcche. Als Uli und ich im Wohnzimmer Platz nehmen, klingelt das Telefon. Katerina, Fanis und die Schwiegereltern sind am Apparat, die uns allen reihum frohe Ostern w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Nach dem Telefonat verschwindet Adriani wieder in der K\u00fcche. Kurz darauf kommt sie zur\u00fcck, um die Ostersuppe zu servieren, gefolgt von Mania, die den Salat und die rot gef\u00e4rbten Eier bringt. Beim \u00bbEiertitschen\u00ab gewinnt Adriani gegen mich und Uli gegen Mania.<\/p>\n<p>\u00bbEin Deutscher, wie er im Buche steht\u00ab, scherzt Mania. \u00bbEr gewinnt immer.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWissen Sie, was Griechen und Deutsche im Hinblick auf die Religion unterscheidet?\u00ab, fragt Uli mich.<\/p>\n<p>\u00bbHm &#8230; dass die einen orthodox sind und die anderen katholisch oder evangelisch?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIhr seid orthodox, also Teil des Orients. Wir sind Teil des Abendlandes und nehmen alles immer sehr ernst. In der Kirche m\u00fcssen wir still sein und den Kopf senken. Ihr hingegen findet sogar einen Grund zum Feiern, wenn Jesus Christus zu Grabe getragen wird. Das gef\u00e4llt mir. Denn es ist scheinheilig, einen Feiertag, dessen Ausgangspunkt so viele Jahre zur\u00fcckliegt, in gedr\u00fcckter Stimmung zu begehen. Ihr aber freut euch r\u00fcckhaltlos am Fest.\u00ab<\/p>\n<p>Adriani hat recht, er ist ganz zum Griechen mutiert, denke ich mir, w\u00e4hrend Uli voller Appetit die Ostersuppe l\u00f6ffelt.<\/p>\n<p><strong>Text: Petros Markaris. \u00dcbersetzung: Michaela Prinzinger. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des <a href=\"http:\/\/www.diogenes.ch\/leser\/titel\/petros-markaris\/offshore-9783257070033.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Diogenes Verlags<\/a>.\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0392\u03b3\u03ae\u03ba\u03b5 \u03bf \u03bd\u03ad\u03bf\u03c2 \u039c\u03ac\u03c1\u03ba\u03b1\u03c1\u03b7\u03c2 \u03c3\u03b5 \u03bc\u03b5\u03c4\u03ac\u03c6\u03c1\u03b1\u03c3\u03b7 \u03c4\u03b7\u03c2 \u039c\u03b9\u03c7\u03b1\u03ad\u03bb\u03b1 \u03a0\u03c1\u03af\u03bd\u03c4\u03c3\u03b9\u03b3\u03ba\u03b5\u03c1! A\u03c0\u03cc \u03c4\u03b9\u03c2 23 \u0391\u03c5\u03b3\u03bf\u03cd\u03c3\u03c4\u03bf\u03c5 2017 \u03c3\u03c4\u03b1 \u03b2\u03b9\u03b2\u03bb\u03b9\u03bf\u03c0\u03c9\u03bb\u03b5\u03af\u03b1. \u0394\u03b9\u03b1\u03b2\u03ac\u03c3\u03c4\u03b5 \u03b5\u03b4\u03ce \u03c4\u03bf \u03b4\u03b5\u03cd\u03c4\u03b5\u03c1\u03bf \u03ba\u03b5\u03c6\u03ac\u03bb\u03b1\u03b9\u03bf 2 \u03c4\u03bf\u03c5 \u00abOffshore\u00bb &#8230; \u0397 \u03b4\u03bf\u03bb\u03bf\u03c6\u03bf\u03bd\u03af\u03b1 \u03b5\u03bd\u03cc\u03c2 \u03c5\u03c0\u03b1\u03bb\u03bb\u03ae\u03bb\u03bf\u03c5 \u03bb\u03cd\u03bd\u03b5\u03c4\u03b1\u03b9 \u03c3\u03b5 \u03c7\u03c1\u03cc\u03bd\u03bf \u03bc\u03b7\u03b4\u03ad\u03bd, \u03b1\u03bb\u03bb\u03ac \u03bf \u03b1\u03c3\u03c4\u03c5\u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2 \u03a7\u03b1\u03c1\u03af\u03c4\u03bf\u03c2 \u03b5\u03af\u03bd\u03b1\u03b9 &hellip; <a href=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/genikou-endiaferontos\/petros-markaris-offshore-metafrasi-sta-germanika\/\" class=\"more-link\">\u03a3\u03c5\u03bd\u03b5\u03c7\u03af\u03c3\u03c4\u03b5 \u03c4\u03b7\u03bd \u03b1\u03bd\u03ac\u03b3\u03bd\u03c9\u03c3\u03b7 <span class=\"screen-reader-text\">Offshore \u2013 \u03a0\u03c1\u03bf\u03b4\u03b7\u03bc\u03bf\u03c3\u03af\u03b5\u03c5\u03c3\u03b7<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2045,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,50,52],"tags":[1323,1324,59,1325,1326,593,1327,74,64,1328,1329,85,67,95,1330,1331,1334,884,1332,1333,119,502,1335,581,118,166,506],"class_list":["post-2042","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-genikou-endiaferontos","category-logotechnia","category-metafrasi","tag-aufschwung-el","tag-auszug-el","tag-griechenland-el","tag-kapitel-zwei-el","tag-kommissar-charitos-el","tag-krimi-el","tag-kriminalroman-el","tag-krise-el","tag-michaela-prinzinger-el","tag-neue-partei-el","tag-offshore-el","tag-petros-markaris-el","tag-roman-el","tag-uebersetzung-el","tag-vorabdruck-el","tag-wahlen-el","tag-1334","tag-884","tag-1332","tag-1333","tag-119","tag-502","tag-1335","tag-581","tag-118","tag-166","tag-506"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2042","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2042"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2042\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2045"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}