{"id":2222,"date":"2017-10-20T16:00:02","date_gmt":"2017-10-20T14:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/?p=2222\/"},"modified":"2017-10-21T15:10:35","modified_gmt":"2017-10-21T13:10:35","slug":"kathe-protasi-kai-mia-maxi-metafrasi-logotexnias","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/genikou-endiaferontos\/kathe-protasi-kai-mia-maxi-metafrasi-logotexnias\/","title":{"rendered":"\u039a\u03ac\u03b8\u03b5 \u03c0\u03c1\u03cc\u03c4\u03b1\u03c3\u03b7 \u03ba\u03b1\u03b9 \u03bc\u03b9\u03b1 \u03bc\u03ac\u03c7\u03b7"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u0386\u03c1\u03b8\u03c1\u03bf \u03c4\u03b7\u03c2 Sylvie-Sophie Schindler \u03c3\u03c4\u03bf \u03ad\u03bd\u03b8\u03b5\u03c4\u03bf \u03c4\u03b7\u03c2 \u039a\u03c5\u03c1\u03b9\u03b1\u03ba\u03ae\u03c2 \u03c4\u03b7\u03c2 \u03b5\u03c6\u03b7\u03bc. M\u00fcnchner Merkur \u03c0\u03bf\u03c5 \u03b4\u03b7\u03bc\u03bf\u03c3\u03b9\u03b5\u03cd\u03c4\u03b7\u03ba\u03b5 \u03c3\u03c4\u03b9\u03c2 14-15 \u039f\u03ba\u03c4\u03c9\u03b2\u03c1\u03af\u03bf\u03c5 2017 \u03b3\u03b9\u03b1 \u03c4\u03b7\u03bd \u03c4\u03ad\u03c7\u03bd\u03b7 \u03c4\u03b7\u03c2 \u03bb\u03bf\u03b3\u03bf\u03c4\u03b5\u03c7\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae\u03c2 \u03bc\u03b5\u03c4\u03ac\u03c6\u03c1\u03b1\u03c3\u03b7\u03c2, \u03b4\u03af\u03bd\u03bf\u03bd\u03c4\u03b1\u03c2 \u03c4\u03bf\u03bd \u03bb\u03cc\u03b3\u03bf \u03c3\u03c4\u03bf\u03c5\u03c2 \u03b5\u03c0\u03b1\u03b3\u03b3\u03b5\u03bb\u03bc\u03b1\u03c4\u03af\u03b5\u03c2 \u03c4\u03bf\u03c5 \u03c7\u03ce\u03c1\u03bf\u03c5 Stephan Kleiner, Ulrich Blumenbach, Isabel Bogdan, Christel Kr\u00f6ning \u03ba\u03b1\u03b9 Michaela Prinzinger.<\/strong><\/p>\n<p>Klingelt bei Stephan Kleiner in M\u00fcnchen jemand vom Paketdienst, \u00f6ffnet er und versucht, den Lieferanten in ein Gespr\u00e4ch zu verwickeln. Einfach nur, um mal wieder mit einem Menschen zu sprechen. Denn oft vergeht Tag um Tag ohne eine einzige Begegnung. Als der Literatur\u00fcbersetzer beispielsweise den 960 Seiten dicken, in den USA preisgekr\u00f6nten Roman \u201eEin wenig Leben\u201c (Verlag Hanser 2017), verfasst von der US-Schriftstellerin Hanya Yanagihara, ins Deutsche \u00fcbertragen hat, verbrachte er gut f\u00fcnf Monate in Klausur.<\/p>\n<p>\u201eMan muss sich abschotten, sonst geht das nicht\u201c, sagt der 42-J\u00e4hrige. Von der Stadt, in der er seit ein paar Jahren lebt, k\u00f6nnte er schon mehr gesehen haben, w\u00e4re da nicht sein Job. \u201eMein Beruf ist ein einsamer Beruf\u201c, sagt Kleiner. Anstrengend au\u00dferdem. \u201eEine Art Marathonlauf\u201c. In Etappen gehe es voran. \u201eEs ist H\u00f6chstkonzentration erforderlich, man muss um jeden Satz ringen.\u201c<\/p>\n<p>Kleiner hat zwar auch \u201eIn Schopenhauers Gegenwart\u201c, das neueste Buch des franz\u00f6sischen Skandalautors Michel Houellebecq, \u00fcbersetzt, aber vorrangig befasst er sich mit englischen Werken. Andere aus anderen Berufen sagen schon mal: \u201eAch so, blo\u00df aus dem Englischen\u201c. Dann f\u00fchlt sich Kleiner verkannt. \u201eKlar ist es etwas anderes, wenn man aus dem Afrikanischen \u00fcbersetzt, aber ein \u00dcbersetzer dringt tief in Sprache ein, mehr als sonst jemand, und auch das Englische hat seinen ganz eigenen Charakter\u201c, erkl\u00e4rt der Wahlm\u00fcnchner.<\/p>\n<p>Dass Wort f\u00fcr Wort \u00fcbersetzt werde, sei eines der gro\u00dfen Missverst\u00e4ndnisse. Es gen\u00fcge nicht, die Sprachen zu kennen, man m\u00fcsse auch die Atmosph\u00e4re einer Geschichte und die Kultur des jeweiligen Landes einbeziehen. Es gehe also nicht nur darum, den Text aus seiner urspr\u00fcnglichen Form herauszul\u00f6sen und zu \u00fcbertragen in eine neue Form in einer anderen Sprache, die anderen Gesetzen folge. \u201eWir \u00fcbersetzen nicht nur Texte, sondern auch die Mentalit\u00e4t eines Volkes\u201c, so Kleiner.<\/p>\n<p>Im Verh\u00e4ltnis zum Deutschen sei das Englische oft knapper und komme mit weniger Relativs\u00e4tzen aus. In dieser Wortkargheit stecke mitunter ein gewisser Witz. Nicht zuf\u00e4llig, sondern gewollt. Und weil der Engl\u00e4nder sich lieber kurz ausdr\u00fccke, neige er auch zu kreativen Neusch\u00f6pfungen, in denen das viele, was man mitteilen will, komprimiert hineingepackt werde. Mit der Beschreibung eines Kleidungsst\u00fccks etwa wird der ganze Kosmos mitgeliefert, in dem die Menschen leben, die es tragen. Ein Beispiel? Das Wort \u201ewifebeater\u201c. Zum einen ist damit ein \u00e4rmelloses Unterhemd, auf Neudeutsch Tank Top, gemeint. Wortw\u00f6rtlich aber versteht der Engl\u00e4nder darunter einen Mann, der seine Frau verpr\u00fcgelt.<\/p>\n<p>Fast jedes zweite belletristische Buch ist heute eine \u00dcbersetzung. Laut B\u00f6rsenverein des Deutschen Buchhandels sind 2016 in Deutschland ca. 9900 \u00fcbersetzte B\u00fccher erschienen, die meisten wurden aus dem Englischen \u00fcbertragen, gefolgt von Franz\u00f6sisch. \u00dcbersetzer sind, und das ist den meisten nicht bewusst, auch Urheber eines Werkes. Der verstorbene Nobelpreistr\u00e4ger Jos\u00e9 Saramago sagte einmal: \u201eWeltliteratur wird von \u00dcbersetzern gemacht\u201c. Man stelle sich vor, wie viele Werke beim Leser durchfallen w\u00fcrden, wenn die \u00dcbersetzer nicht einen guten Job erledigten. Umso bedauerlicher ist es, dass ihre Arbeit nur wenig wahrgenommen und noch seltener gew\u00fcrdigt wird.<\/p>\n<p>\u201eWarum sind wir so unsichtbar?\u201c Diese Frage stellt sich nicht nur Isabel Bogdan, die sich als \u00dcbersetzerin von u. a. Nick Hornby einen Namen gemacht hat. In einem Kommentar im Internet macht sie ihrem \u00c4rger Luft: \u201eSelbst in der Verlagswerbung liest man: \u201e&#8230; ist jetzt bei uns auf Deutsch erschienen\u201c. Ach ja? Uns ist eine \u00dcbersetzung erschienen? Nein, sie ist doch nicht vom Himmel gefallen! Da hat jemand monatelang Herzblut und Hirnschmalz hineingesteckt.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Belange von Literatur\u00fcbersetzern tritt seit 1954 der Verband deutschsprachiger \u00dcbersetzer (Vd\u00dc) ein, der seit 1979 alle zwei Jahre den Hieronymus-Ring als Auszeichnung f\u00fcr herausragende \u00fcbersetzerische Leistungen vergibt. Der Preis bezieht sich auf den Kirchenvater Hieronymus (347-420 n. Chr.), der als Schutzpatron der \u00dcbersetzer gilt und die Bibel aus dem Hebr\u00e4ischen ins Griechische und Latein \u00fcbertragen hat. \u201e\u00dcbersetzte Literatur bildet einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor\u201c, erl\u00e4utert Verbandssprecherin Christel Kr\u00f6ning.<\/p>\n<p>Doch wie viel der Einnahmen gehen letztlich an den \u00dcbersetzer? Es ist kein Geheimnis: Literatur\u00fcbersetzer werden schlecht bezahlt. Laut Angaben des Vd\u00dc liegt das durchschnittliche Bruttoeinkommen bei 1000 Euro monatlich. An einigen Universit\u00e4ten wird der Diplomstudiengang \u00dcbersetzung zwar angeboten, doch der Beruf ist ungesch\u00fctzt. Die meisten, die den Job machen, sind Quereinsteiger, und haben etwa als Lektor \u2013 wie auch Stephan Kleiner \u2013 begonnen. Wenn der 42-J\u00e4hrige meint, dass \u00dcbersetzer \u201enicht gen\u00fcgend gew\u00fcrdigt\u201c w\u00fcrden, klingt das so, als geh\u00f6re das eben mit dazu. Was nicht bedeute, dass er sich damit abgefunden habe. Kleiner: \u201eIm Grunde bin ich ja ein halber Schriftsteller, auch wenn ich letztlich hinter dem Originalautor verschwinde.\u201c<\/p>\n<p>Ulrich Blumenbach ist Tr\u00e4ger des Hieronymus-Ringes des \u00dcbersetzerverbandes: Er \u00fcbertrug den fast 1600 Seiten umfassenden Roman \u201eInfinite Jest\u201c von David Foster Wallace ins Deutsche. F\u00fcr \u201eUnendlicher Spa\u00df\u201c, so der Titel, brauchte Blumenbach sechs Jahre. Das Honorar lag bei 50 000 Euro. Mit Wallace ist es \u00e4hnlich wie mit James Joyce: seine Werke gelten mitunter als un\u00fcbersetzbar.<\/p>\n<p>In \u201eUnendlicher Spa\u00df\u201c finden sich viele eigene Wortkreationen und 28 Fachsprachen, unter anderem aus der Mathematik, Botanik und Architektur. F\u00fcr manche Buchpassage sa\u00df Blumenbach tagelang in der Bibliothek. Das \u00e4lteste verwendete Wort entstammte dem fr\u00fchen 18. Jh. Eine der Wortsch\u00f6pfungen von Wallace lautet z. B. \u201eHalluzinogenivore\u201c. Damit wird jemand bezeichnet, der Drogen nimmt. Eine Analogie zu Carnivore, Fleischfresser. Ohne Nebenbei- \u00dcbersetzungen, Stipendien vom Deutschen \u00dcbersetzungsfonds und Unterst\u00fctzung des Vaters h\u00e4tte Blumenberg nach eigener Aussage den Job nicht machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die aus \u00d6sterreich stammende \u00dcbersetzerin Michaela Prinzinger sieht in ihrer T\u00e4tigkeit noch eine andere, aus ihrer Sicht kaum wahrgenommene Aufgabe: \u201eWir sind Br\u00fcckenbauer zwischen den Kulturen.\u201c Die mit dem \u00f6sterreichischen Staatspreis ausgezeichnete 54-J\u00e4hrige hat sich auch mit ihrem Netzportal www.diablog.eu dem Dialog zwischen dem deutsch- und dem griechischsprachigen Raum verschrieben. \u201eIch hatte das Gl\u00fcck, mit Petros Markaris das gro\u00dfe Los zu ziehen\u201c, sagt sie. Markaris gilt als einer der bekanntesten zeitgen\u00f6ssischen Autoren aus Griechenland im deutschsprachigen Raum. 14 seiner B\u00fccher hat Prinzinger ins Deutsche \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Im Zentrum der Krimis steht Kostas Charitos, sozusagen das \u00fcbler gelaunte Pendant zu Donna Leons Commissario Brunetti. \u2028Klar, auch ein griechischer Kommissar l\u00f6st seine F\u00e4lle, aber Markaris gelingt noch mehr, er schafft Bestandsaufnahmen aktueller griechischer Befindlichkeit.<\/p>\n<p>Im 2016 auf Deutsch erschienenen Fall \u201eZur\u00fcck auf Start\u201c \u2013 das Original kam 2012 heraus \u2013 hei\u00dft es beispielsweise \u00fcber die Folgen der Finanzkrise: \u201eIhr muss klar geworden sein, dass das Land nicht zu retten ist, auch nicht von Albanern, die die Uhr zur\u00fcckdrehen wollen. Griechenland mag unsterblich sein, wie es in unserer Nationalhymne hei\u00dft, aber es ver\u00e4ndert sich auch nicht, und schon gar nicht zum Guten.\u201c<\/p>\n<p>Die griechische Sprache ist reich an Metaphern und Parabeln. \u201eW\u00fcrde ich das eins zu eins \u00fcbersetzen, dann k\u00e4me der deutsche Leser damit nur schwer zurecht\u201c, findet Prinzinger, die neben Neu- auch Altgriechisch und das Griechisch des Mittelalters studiert hat. Das Erz\u00e4hlen im Deutschen sei geradliniger, weniger \u201eblumig\u201c. Nicht immer scheint eine \u00dcbersetzung m\u00f6glich.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt ein griechisches Wort, das eine ausholende Bewegung beschreibt, in der die Hand mit f\u00fcnf ausgespreizten Fingern auf das Gesicht einer Person zeigt: die Mountza\u201c, erkl\u00e4rt Prinzinger. Eine schwere Beleidigung. Als in einer Erz\u00e4hlung diese Geste wiederholt vorkam, f\u00fchrte die \u00dcbersetzerin die \u201eMountza\u201c erfolgreich als v\u00f6llig neue Vokabel in die deutsche Sprache ein. \u201eDas macht einen stolz\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p><strong>Foto: Aus Serie \u201eGame Of Thrones\u201c; Tyrion Lannister, dargestellt vom kleinw\u00fcchsigen US-Schauspieler Peter Dinklage, ist eine der Hauptfiguren im Film.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2212\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/MuechnerMerkur.jpg\" alt=\"Artikel in Muenchner Merkur\" width=\"719\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/MuechnerMerkur.jpg 719w, https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/MuechnerMerkur-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 719px) 100vw, 719px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0386\u03c1\u03b8\u03c1\u03bf \u03c4\u03b7\u03c2 Sylvie-Sophie Schindler \u03c3\u03c4\u03bf \u03ad\u03bd\u03b8\u03b5\u03c4\u03bf \u03c4\u03b7\u03c2 \u039a\u03c5\u03c1\u03b9\u03b1\u03ba\u03ae\u03c2 \u03c4\u03b7\u03c2 \u03b5\u03c6\u03b7\u03bc. 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