{"id":2492,"date":"2018-07-13T18:00:12","date_gmt":"2018-07-13T16:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/?p=2492"},"modified":"2018-07-13T18:52:06","modified_gmt":"2018-07-13T16:52:06","slug":"petros-markaris-seminaria-fonikis-grafis-sta-germanika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/genikou-endiaferontos\/petros-markaris-seminaria-fonikis-grafis-sta-germanika\/","title":{"rendered":"\u00bb\u03a3\u03b5\u03bc\u03b9\u03bd\u03ac\u03c1\u03b9\u03b1 \u03a6\u03bf\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae\u03c2 \u0393\u03c1\u03b1\u03c6\u03ae\u03c2\u00ab \u03c3\u03c4\u03b1 \u03b3\u03b5\u03c1\u03bc\u03b1\u03bd\u03b9\u03ba\u03ac"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u03a4\u03bf \u03bc\u03c5\u03b8\u03b9\u03c3\u03c4\u03cc\u03c1\u03b7\u03bc\u03b1 \u00bb\u03a3\u03b5\u03bc\u03b9\u03bd\u03ac\u03c1\u03b9\u03b1 \u03a6\u03bf\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae\u03c2 \u0393\u03c1\u03b1\u03c6\u03ae\u03c2\u00ab \u03c4\u03bf\u03c5 \u03a0\u03ad\u03c4\u03c1\u03bf\u03c5 \u039c\u03ac\u03c1\u03ba\u03b1\u03c1\u03b7 \u03c4\u03ce\u03c1\u03b1 \u03c3\u03c4\u03b1 \u03b3\u03b5\u03c1\u03bc\u03b1\u03bd\u03b9\u03ba\u03ac, \u03c3\u03b5 \u03bc\u03b5\u03c4\u03ac\u03c6\u03c1\u03b1\u03c3\u03b7 \u03c4\u03b7\u03c2 \u039c\u03b9\u03c7\u03b1\u03ad\u03bb\u03b1 \u03a0\u03c1\u03af\u03bd\u03c4\u03c3\u03b9\u03b3\u03ba\u03b5\u03c1. \u0391\u03c0\u03cc \u03c4\u03b9\u03c2 25 \u0399\u03bf\u03c5\u03bb\u03af\u03bf\u03c5 2018 \u03c3\u03c4\u03bf \u03b2\u03b9\u03b2\u03bb\u03b9\u03bf\u03c0\u03c9\u03bb\u03b5\u03af\u03bf \u03c4\u03b7\u03c2 \u03b5\u03bc\u03c0\u03b9\u03c3\u03c4\u03bf\u03c3\u03cd\u03bd\u03b7\u03c2 \u03c3\u03b1\u03c2! \u0394\u03b9\u03b1\u03b2\u03ac\u03c3\u03c4\u03b5 \u03b5\u03b4\u03ce \u03c4\u03b1 \u03b4\u03cd\u03bf \u03c0\u03c1\u03ce\u03c4\u03b1 \u03ba\u03b5\u03c6\u03ac\u03bb\u03b1\u03b9\u03b1.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">1<\/p>\n<p>\u00bbEin weiter Weg liegt vor dir, Tassia.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbF\u00fchrt er bergauf?\u00ab<\/p>\n<p>Kalliopi studiert eingehend den Kaffeesatz. \u00bbNein, ich sehe nur eine lange, steinige Stra\u00dfe. Aber an ihrem Ende strahlt ein Licht, das aussieht wie eine aufgehende Sonne.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDas betrifft wohl eher deinen Sohn als dich selbst\u00ab, sagt Argyro l\u00e4chelnd zu Tassia.<\/p>\n<p>\u00bbMein Sohn hat sich an drei Universit\u00e4ten im Fach Biologie beworben\u00ab, erkl\u00e4rt Tassia Adriani und bekreuzigt sich. \u00bbWenn das klappt, mache ich eine Wallfahrt zur Gottesmutter nach Tinos.\u00ab<\/p>\n<p>Die Unterhaltung \u00fcber Tassias Zukunft und die ihres Sohnes findet in einem Hotel in Papingo statt.<\/p>\n<p>Eines Morgens war Adriani voller Sehnsucht nach dem Epirus aufgewacht. Da wir aus der gleichen Gegend stammen, steckte sie mich damit an. So beschlossen wir, unsere alte Heimat zu besuchen. Seit unserem Wegzug damals waren wir nur zu zwei traurigen Anl\u00e4ssen zur\u00fcckgekehrt: zum Begr\u00e4bnis von Adrianis Mutter und zu dem meines Vaters. Beide Male hatten wir Katerina \u2013 einmal als Baby, dann als Kleinkind \u2013 mit dabei.<\/p>\n<p>Wir reisten also nach Papingo, und jetzt sitze ich in Gesellschaft von vier Damen, darunter meine Ehefrau, im Speisesaal des Traditionshotels <em>Zum Granatapfel<\/em>. Das Fr\u00fchst\u00fcck ist zwar schon abger\u00e4umt, aber die Damen haben sich noch einen Mokka bestellt, damit ihnen Kalliopi die Zukunft aus dem Kaffeesatz lesen kann. Durch das Fenster sieht man das imposante Astraka-Massiv, wo ich als kleiner Junge mit Leimruten auf die Jagd nach Amseln und Wachteln gegangen bin.<\/p>\n<p>\u00dcberrascht sehe ich, wie rege sich Adriani an der Interpretation der bevorstehenden Ereignisse beteiligt. Anscheinend haben die drei Damen sie mit ihrer Begeisterung f\u00fcr die Wahrsagekunst infiziert. Von ihrer Mutter hat sie das bestimmt nicht. Obwohl, fr\u00fcher befassten sich die Frauen \u2013 in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft \u2013 ausf\u00fchrlich mit dem Kaffeesatz. Da ich sonst immer den ganzen Tag auf der Dienststelle bin, habe ich keine Ahnung, was Adriani tags\u00fcber so treibt. Kann sein, dass sie in meiner Abwesenheit st\u00e4ndig zwischen Tarotkartenlegerinnen und Kaffeesatzleserinnen hin und herpendelt. Wer wei\u00df.<\/p>\n<p>\u00bbSiehst du vielleicht ein gro\u00dfes Geb\u00e4ude?\u00ab, fragt Tassia Kalliopi.<\/p>\n<p>\u00bbWas f\u00fcr ein Geb\u00e4ude?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDie k\u00fcnftige Uni meines Sohnes nat\u00fcrlich\u00ab, erkl\u00e4rt Tassia.<\/p>\n<p>Kalliopi mustert die Kaffeetasse ausgiebig. \u00bbEin Geb\u00e4ude kann ich nicht erkennen, aber eine gr\u00f6\u00dfere Menschengruppe\u00ab, meint sie schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>\u00bbDas wird der Fachbereichsvorstand sein, in dem \u00fcber seine Bewerbung entschieden wird\u00ab, schlussfolgert Tassia und bekreuzigt sich erneut. \u00bbAch, heilige Muttergottes!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbJetzt sind Sie dran, Frau Adriani\u00ab, sagt Kalliopi und nimmt die umgedrehte Tasse meiner Frau zur Hand.<\/p>\n<p>Ich ergreife die Flucht, da ich keine Lust habe, Adrianis Zukunft zu erfahren, die vermutlich auch mich selbst betrifft.<\/p>\n<p>\u00bbGlauben Sie nicht an den Kaffeesatz, Herr Charitos?\u00ab, fragt Argyro, als sie merkt, dass ich Anstalten zum Aufbruch mache.<\/p>\n<p>\u00bbIch will lieber keine Prophezeiungen h\u00f6ren. Sie k\u00f6nnten mich beeinflussen\u00ab, antworte ich, w\u00e4hrend Adriani mir einen undefinierbaren Blick zuwirft. Sie scheint hin- und hergerissen, ob sie sich \u00fcber meine Worte aufregen oder mir meine Bef\u00fcrchtungen abkaufen soll.<\/p>\n<p>Bevor sie auf die eine oder andere Art reagiert, verlasse ich den Speisesaal und trete auf die Veranda vor dem aus gro\u00dfen Steinquadern gebauten Hotel. Ich atme ich tief durch, w\u00e4hrend mein Blick \u00fcber die B\u00e4ume hinweg zum Gipfel des Astraka schweift.<\/p>\n<p>Es ist Mitte September, aber das Wetter ist \u2013 zumindest bis zum Sonnenuntergang \u2013 noch mild. Wenn es dunkel wird, k\u00fchlt es ab, und an manchen Abenden muss man in einem Kafenion oder Restaurant Zuflucht suchen. Aber ich will mich nicht beschweren, wir fahren ja immer im September in Urlaub. Uns ist es lieber, den Hochsommer in Athen zu verbringen, als uns Mitte Juli an dem allj\u00e4hrlichen Exodus der Athener zu beteiligen. Selbst wenn wir auf eine entlegene Insel oder in ein Bergdorf fahren w\u00fcrden, m\u00fcssten wir das Martyrium der Hin- und R\u00fcckfahrt auf uns nehmen. Dann verwandelt sich das griechische Verkehrsnetz in eine einzige, riesige Stra\u00dfenblockade, und Adriani ruft schon, wenn ich den Seat nur in Gang setze, vorauseilend \u00bbPass auf!\u00ab.<\/p>\n<p>Argyro, Kalliopi und Tassia haben wir hier im Hotel kennengelernt. Alle drei sind Rentnerinnen, Argyro und Kalliopi sind unverheiratet, Tassia ist verwitwet, und sie fahren immer gemeinsam in Urlaub. Schnell haben sie sich mit Adriani angefreundet. Am ersten Tag stellten sie sich einander vor, am zweiten Tag waren sie bereits unzertrennlich. Seitdem sind wir zu f\u00fcnft unterwegs und unternehmen gemeinsam Ausfl\u00fcge.<\/p>\n<p>Auf einen Spaziergang habe ich gerade keine Lust. Au\u00dferdem plant Adriani mit ihren Freundinnen vielleicht eine Exkursion, da darf ich mich nicht aus dem Staub machen, sonst kriege ich was zu h\u00f6ren. Deshalb nehme ich auf einem der Loungesessel Platz, betrachte den Astraka und erinnere mich an meinen Vater, der mir, wenn er gut gelaunt war, von den B\u00fcrgerkriegsschlachten zwischen Astraka und Gamila erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Das L\u00e4uten meines Handys unterbricht meine Gedanken. Es ist Katerina. \u00bbWas gibt es Neues, Papa? Wie geht es euch?\u00ab.<\/p>\n<p>\u00bbWunderbar. Die Sonne scheint und deine Mutter hat nette Gesellschaft gefunden.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWas f\u00fcr Gesellschaft?\u00ab, will sie wissen.<\/p>\n<p>\u00bbDrei sehr sympathische Damen, die mich zu ihrem Chauffeur ernannt haben. Und jetzt bringe ich sie zu allen Sehensw\u00fcrdigkeiten.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbAch, du \u00c4rmster!\u00ab, meint sie und kann dabei ein Lachen nicht unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>\u00bbUnd wie ist es in Athen?\u00ab, frage ich.<\/p>\n<p>\u00bbWie immer im September, wenn alle aus den Ferien zur\u00fccksind \u00ab, antwortet sie. Mit beiderseitigen Gr\u00fc\u00dfen an alle legen wir auf.<\/p>\n<p>Ich frage mich gerade, wie lange das eingehende Studium eines Kaffeesatzes eigentlich dauert, als Adriani auftaucht.<\/p>\n<p>\u00bbNa, was habt ihr herausgelesen?\u00ab, frage ich.<\/p>\n<p>Sie blickt mich mit einem verschmitzten L\u00e4cheln an. \u00bbSag ich nicht.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbSeit wann interessiert dich so etwas \u00fcberhaupt?\u00ab<\/p>\n<p>Von ihrer Miene her zu schlie\u00dfen, m\u00fcssen die Zukunftsaussichten rosig sein. Aber ich bedr\u00e4nge sie nicht weiter. Sie hat die Schotten dicht gemacht und wird mir nichts sagen.<\/p>\n<p>\u00bbWas soll das denn sein?\u00ab, h\u00f6ren wir eine Stimme hinter uns.<\/p>\n<p>Als wir uns umdrehen, erblicken wir die drei Grazien. Ihre Blicke sind auf einen riesigen Vogel geheftet, der die H\u00e4nge des Astraka herunterschwebt. Als er zur Seite gleitet, erkennt man, dass R\u00fccken und Bauch wei\u00df, Fl\u00fcgel und Beine rot sind. Er h\u00e4lt die Schwingen reglos ausgestreckt und gleitet langsam in die Schlucht hinunter. Wenn es tats\u00e4chlich ein Vogel ist, dann muss er sich von einem anderen Kontinent hierher verirrt haben.<\/p>\n<p>\u00bbIst das ein Adler?\u00ab, fragt Kalliopi.<\/p>\n<p>\u00bbBist du noch bei Trost?\u00ab, wirft Argyro ein. \u00bbHast du jemals einen Adler mit roten Fl\u00fcgeln gesehen? Gut, im Volkslied besingt man den Adler ohne Schwingen. Aber einen mit roten Schwingen gibt\u2019s nirgends.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDer hat nicht nur rote Fl\u00fcgel, sondern auch noch eine Brille auf\u00ab, f\u00fcgt Tassia hinzu.<\/p>\n<p>\u00bbEine Brille?\u00ab, wundert sich Adriani.<\/p>\n<p>\u00bbJa, siehst du denn nicht, dass er eine schwarze Brille tr\u00e4gt? Eine richtige Fliegerbrille!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDann ist es vielleicht ein Mensch?\u00ab, fragt Kalliopi.<\/p>\n<p>\u00bbEs ist ein Mensch, und noch dazu ein Deutscher\u00ab, h\u00f6ren wir eine Stimme hinter uns sagen.<\/p>\n<p>Als wir uns umwenden, sehen wir Maria, die f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Hotelbesitzerin, am Eingang stehen. \u00bbEs sind ein paar verr\u00fcckte Deutsche\u00ab, erkl\u00e4rt sie uns. \u00bbSie klettern auf den Astraka und den Gamila hoch, ziehen sich Fl\u00fcgel an und st\u00fcrzen sich hinunter. Es hei\u00dft sogar, sie gleiten die H\u00e4nge des Smolikas hinunter, aber das habe ich nicht mit eigenen Augen gesehen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbG\u00fctiger Gott!\u00ab, sagt Adriani und bekreuzigt sich.<\/p>\n<p>\u00bbSchauen Sie in die Schlucht hinunter\u00ab, meint Maria.<\/p>\n<p>Unten erblicken wir ein paar Typen, die nach oben winken.<\/p>\n<p>\u00bbUnd was machen die dort? Nur zuschauen?\u00ab, fragt Argyro.<\/p>\n<p>\u00bbNein, das ist das Bodenpersonal. Sie helfen beim An- und Ablegen der Fl\u00fcgel und der \u00fcbrigen Ausr\u00fcstung\u00ab, erl\u00e4utert Maria.<\/p>\n<p>\u00bbDie sind verr\u00fcckt\u00ab, schlussfolgert Tassia.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist nicht gesagt. Jedenfalls scheinen sie ihren Spa\u00df dabei zu haben\u00ab, erwidert Argyro.<\/p>\n<p>\u00bbWollen wir uns das nicht aus der N\u00e4he anschauen?\u00ab, schl\u00e4gt Adriani vor.<\/p>\n<p>\u00bbAber wir wollten heute doch nach Zagori fahren\u00ab, meint Kalliopi unschl\u00fcssig.<\/p>\n<p>\u00bbDas k\u00f6nnen wir verschieben, Kalliopi\u00ab, antwortet Argyro. \u00bbDie Zagori-D\u00f6rfer stehen auch morgen noch, die Vogelmenschen k\u00f6nnen jederzeit davonfliegen.\u00ab<\/p>\n<p>Alle drehen sich gleichzeitig nach mir um und fixieren mich mit ihren Blicken. Sie haben offenbar nicht vor, zu Fu\u00df in die Schlucht zu wandern.<\/p>\n<p>\u00bbNa dann, los!\u00ab, sage ich, weil ich ihnen einerseits den Gefallen tun, andererseits selbst das Schauspiel aus der N\u00e4he sehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>\u00bbZieht euch etwas Warmes an, in der Schlucht ist es k\u00fchl\u00ab, warnt uns Maria.<\/p>\n<p>Dann kehren wir alle ins Hotel zur\u00fcck, um Jacken und Pullover zu holen. Ein paar Minuten sp\u00e4ter treffen wir uns am Eingang wieder und machen uns mit dem Seat auf den Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.diogenes.ch\/leser\/titel\/petros-markaris\/drei-grazien-9783257070415.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2484\" src=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/drei-grazien-cover-e1531294758127.jpg\" alt=\"Buchumschlag Petros Markaris Drei Grazien\" width=\"450\" height=\"712\" \/><\/a>2<\/p>\n<p>Der Seat m\u00fcht sich \u00fcber die holprige Stra\u00dfe. Bei jeder Unebenheit st\u00f6\u00dft eine der Damen auf dem R\u00fccksitz einen kleinen Schrei aus. Ich aber habe ganz andere Sorgen. Ich f\u00fcrchte, dass unsere R\u00fcckfahrt nach Athen problematisch werden k\u00f6nnte und der Seat zuvor in die Werkstatt muss.<\/p>\n<p>\u00bbSollen wir den Wagen nicht besser stehen lassen?\u00ab, frage ich. \u00bbDas ist die reinste Via Dolorosa f\u00fcr ihn.\u00ab<\/p>\n<p>Unter allgemeiner Zustimmung stelle ich den Seat unter einem Baum ab. Aber auch der Fu\u00dfweg ist nicht leicht zu bew\u00e4ltigen, da uns der steinige Wanderpfad zu schaffen macht. Die Zeiten sind vorbei, als wir barfu\u00df \u00fcber schroffe Felsen liefen, sage ich mir. Am besten hat es wohl der Seat getroffen.<\/p>\n<p>\u00bbMeine armen Beine\u00ab, st\u00f6hnt Argyro. \u00bbIch werde ins Hotel zur\u00fcckhumpeln und morgen nicht aus dem Bett kommen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIch habe euch doch gesagt, wir sollten in die Zagori-D\u00f6rfer fahren, aber ihr wolltet ja den Fliegenden Holl\u00e4nder sehen\u00ab, bemerkt Kalliopi.<\/p>\n<p>\u00bbWas f\u00fcr einen Holl\u00e4nder? Es sind doch Deutsche! Hast du nicht geh\u00f6rt, was Maria gesagt hat?\u00ab, h\u00e4lt ihr Adriani entgegen.<\/p>\n<p>Kalliopi lacht auf, w\u00e4hrend ihr die anderen drei irritierte Blicke zuwerfen.<\/p>\n<p>Wir erreichen die Ausl\u00e4ufer des Astraka-Gebirges genau in dem Moment, als der Flugk\u00f6rper deutscher Provenienz zur Landung ansetzt. Nur, dass er nicht wie ein Vogel oder Flugzeug im sanften Anflug landet, sondern quasi senkrecht vom Himmel f\u00e4llt. Zwei Leute, die in der Schlucht warteten, hei\u00dfen ihn mit Applaus willkommen. Als er die Brille ablegt, stellen wir fest, dass Graf Zeppelin weiblichen Geschlechts ist. Es handelt sich um eine vierzigj\u00e4hrige Frau, die sich l\u00e4chelnd vor ihrem Publikum verbeugt.<\/p>\n<p>\u00bbHe, das ist ja eine Frau!\u00ab, wundert sich Tassia.<\/p>\n<p>\u00bbDas fehlte noch!\u00ab, meint Argyro.<\/p>\n<p>\u00bbWarum sollen Frauen nicht fliegen?\u00ab, fragt Kalliopi. \u00bbSo viel ich wei\u00df, gibt es nicht nur M\u00e4nnchen unter den V\u00f6geln.\u00ab<\/p>\n<p>Damit bringt sie uns alle zum Lachen.<\/p>\n<p>Die Deutschen drehen sich um und blicken uns \u00fcberrascht an. Die beiden M\u00e4nner bleibt ernst, aber die Fliegerin l\u00e4chelt uns zu.<\/p>\n<p>\u00bbKommt, wir gratulieren ihnen am besten zu ihrer Leistung\u00ab, bemerkt Tassia. \u00bbAuch wenn sie uns Faulpelze und Schmarotzer nennen, so sind wir doch noch immer gute Gastgeber.\u00ab<\/p>\n<p>Wir gehen l\u00e4chelnd auf die Deutschen zu, die unsere Freundlichkeit erwidern.<\/p>\n<p>\u00bbBravo!\u00ab, sagt Kalliopi bewundernd zur Fliegerin.<\/p>\n<p>\u00bbDanke\u00ab, antwortet die zuerst auf Deutsch und f\u00fcgt dann auf Englisch hinzu: <em>\u00bbThank you.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich spricht Argyro die Leute auf Deutsch an, was die drei sichtlich freut.<\/p>\n<p>\u00bbKann sie denn Deutsch?\u00ab, will Adriani von Kalliopi wissen.<\/p>\n<p>\u00bbJa, sie hat es im Goethe-Institut gelernt. Wie gut sie wirklich spricht, kann ich nicht beurteilen. Wenn es so gut ist wie mein Franz\u00f6sisch, das ich am Franz\u00f6sischen Kulturinstitut gelernt habe, ist es wohl mehr ein Radebrechen.\u00ab<\/p>\n<p>Ich verschweige lieber, wie traurig es um meine eigenen Englisch-Kenntnisse steht. Aber ich finde Trost beim Gedanken, dass ich die Sprache an keinem ausl\u00e4ndischen Kulturinstitut, sondern an der Polizeischule gelernt habe und mich danach im Pr\u00e4sidium mithilfe von Migranten weiterbildete.<\/p>\n<p>Argyro unterbricht kurz das Gespr\u00e4ch, um uns ihre Konversation mit den Deutschen zu \u00fcbersetzen. \u00bbSie haben mir erz\u00e4hlt, dass sie jedes Jahr herkommen\u00ab, wei\u00df sie zu berichten. \u00bbSie reisen immer in einer Gruppe an. Die anderen sind vom Gamila-Gebirge aus gestartet. Es gef\u00e4llt ihnen hier, weil die Leute freundlich sind und ihren Flugk\u00fcnsten Beachtung schenken. In Deutschland kr\u00e4ht kein Hahn nach ihnen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbHast du gefragt, was sie beruflich machen?\u00ab, fragt Tassia.<\/p>\n<p>\u00bbAlle drei arbeiten an der Uni. Die Frau unterrichtet Soziologie, der B\u00e4rtige ist Germanist und der dritte mit dem Strohhut ist Jurist.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDen Winter verbringen sie als B\u00fccherw\u00fcrmer in den Bibliotheken, den Sommer frei wie die V\u00f6gel in der Luft. Eine sch\u00f6ne Kombination\u00ab, bemerkt Kalliopi.<\/p>\n<p>Wir n\u00e4hern uns, um uns zu verabschieden. Die beiden M\u00e4nner strecken uns sofort die Hand entgegen, was mich an Uli erinnert, der mir stets zum Gru\u00df die Hand dr\u00fcckt. Die Frau beschr\u00e4nkt sich auf ein Nicken und ein L\u00e4cheln. Aber wohl nur deswegen, weil ihre H\u00e4nde noch an die Fl\u00fcgel fixiert sind.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck beim Seat, ruhen wir uns zehn Minuten aus, um wieder zu Atem zu kommen. Die Frauen auf den R\u00fccksitzen massieren sich unter leisen Seufzern Beine und Knie. Nur Adriani sitzt stoisch da.<\/p>\n<p>\u00bbOffenbar hast du nicht vergessen, wie man \u00fcber Felsen klettert\u00ab, necke ich sie.<\/p>\n<p>\u00bbDoch doch, ich hab\u2019s verlernt. Aber ich habe die Ziegenpfade meines Heimatdorfes vermisst. Deshalb genie\u00dfe ich es jetzt\u00ab, antwortet sie und wendet sich an ihre Freundinnen: \u00bbBegreift ihr jetzt, warum wir uns mit den Deutschen nicht verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen?\u00ab, fragt sie.<\/p>\n<p>Alle blicken sie gespannt an. \u00bbNa sag schon!\u00ab, meint Argyro.<\/p>\n<p>\u00bbWeil sie hoch oben fliegen wie die V\u00f6gel, w\u00e4hrend wir unten grundeln wie die Fische. Wie soll man da zusammenkommen!\u00ab<\/p>\n<p>Die drei Grazien lachen auf, f\u00fcr sie sind Adrianis Sentenzen noch etwas ganz Neues.<\/p>\n<p>\u00bbAdriani, wie toll, dass wir dich getroffen haben!\u00ab, sagt Tassia.<\/p>\n<p>\u00bbHat sie immer gleich den passenden Spruch parat?\u00ab, will Argyro von mir wissen.<\/p>\n<p>\u00bbJa, und jetzt ist sie auch noch in heimischen Gefilden, und da ist sie besonders inspiriert\u00ab, erwidere ich.<\/p>\n<p>Die anderen merken nicht, dass mir Adriani mir einen erz\u00fcrnten Blick zuwirft.<\/p>\n<p>\u00bbJedenfalls seid ihr die ideale Ferienbekanntschaft! Wenn ich jemals noch ein b\u00f6ses Wort \u00fcber Polizisten h\u00f6re, werde ich sauer\u00ab, f\u00fcgt Kalliopi hinzu.<\/p>\n<p>Zufrieden starte ich den Seat, nachdem ich meinen Anteil an den Komplimenten eingeheimst habe. Diesmal fahre ich im Schritttempo, um die Fahrg\u00e4ste und nicht zuletzt auch den Seat vor allzu heftigen St\u00f6\u00dfen zu bewahren.<\/p>\n<p>Als wir im Hotel ankommen, eilen wir auf unsere Zimmer, um uns ein wenig zu erfrischen.<\/p>\n<p>\u00bbWas sollte die Bemerkung \u00fcber die heimischen Gefilde?\u00ab, sagt Adriani, sobald die T\u00fcr des Hotelzimmers ins Schloss f\u00e4llt.<\/p>\n<p>\u00bbIch kann es nicht fassen\u00ab, sage ich. \u00bbNach so einem anstrengenden Marsch bist du immer noch streitlustig?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbEhrlich gesagt bin ich aus der \u00dcbung\u00ab, gesteht sie. \u00bbIch habe zwar nicht st\u00e4ndig gejammert, aber die Z\u00e4hne musste ich schon zusammenbei\u00dfen. Allzu angenehm war die Wanderung nicht. Ich gehe jetzt zur Entspannung unter die Dusche.\u00ab<\/p>\n<p>Ich warte, bis ich an der Reihe bin, und schl\u00fcpfe im Anschluss zu Adriani ins Bett. Schlagartig versinken wir beide im Tiefschlaf.<\/p>\n<p>Erst, als es an der T\u00fcr klopft, schlage ich die Augen wieder auf. \u00bbHerr Kommissar, st\u00f6re ich?\u00ab, h\u00f6re ich eine Stimme fl\u00fcstern.<\/p>\n<p>Ich fahre aus dem Bett hoch und gehe zur T\u00fcr. \u00bbNein, wir sind schon wach\u00ab, wispere ich, damit Adriani nicht aufwacht.<\/p>\n<p>\u00bbBleiben Sie im Hotel?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbNein, geben Sie uns eine halbe Stunde.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbGut, wir warten unten.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWer war das?\u00ab, ert\u00f6nt Adrianis Stimme hinter mir.<\/p>\n<p>\u00bbEine unserer Ferienbekanntschaften. Sie fragt, ob wir heute Abend im Hotel bleiben.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbNat\u00fcrlich nicht! Wir sind doch nicht hergekommen, um im Hotel zu hocken.\u00ab<\/p>\n<p>Zwanzig Minuten sp\u00e4ter begeben wir uns in die kleine Lobby hinunter, die am Morgen als Fr\u00fchst\u00fcckraum dient. Obwohl uns die anderen geweckt haben, sind wir die ersten. Kurz darauf erscheint Argyro, und ein paar Minuten sp\u00e4ter folgen Kalliopi und Tassia.<\/p>\n<p>Wir beschlie\u00dfen, essen zu gehen, und Kalliopi schl\u00e4gt vor, in ein anderes Dorf zu fahren. \u00bbWir wollten doch schon am Morgen einen Ausflug machen, aber die gefl\u00fcgelten Deutschen haben uns ganz aus dem Konzept gebracht.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbSch\u00f6n, und wohin soll es gehen?\u00ab, fragt Tassia. \u00bbEs gibt an die vierzig Zagori-D\u00f6rfer.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbAdriani wei\u00df bestimmt Rat\u00ab, meint Argyro.<\/p>\n<p>\u00bbDann fahren wir nach Kato Pedina, in mein Heimatdorf\u00ab, sagt Adriani. \u00bbDort liegt eine alte Steinbr\u00fccke in der Vikos-Schlucht, die einen Besuch wert ist.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIch w\u00fcrde ja gern mit meinem Auto hinfahren, aber leider kenne ich den Weg nicht und habe Angst, mich zu verfahren\u00ab, meint Tassia. \u00bbVielleicht wollten Sie, Herr Kommissar, sich ans Steuer setzen? Sie kennen sich hier doch gut aus!\u00ab<\/p>\n<p>Sie besitzt einen funkelnagelneuen Toyota, und ich habe keine Lust, mich von der st\u00e4ndigen Angst, einen Kratzer zu verursachen, stressen zu lassen.<\/p>\n<p>\u00bbNein, wir fahren besser mit meinem Wagen, um unliebsame \u00dcberraschungen zu vermeiden.\u00ab<\/p>\n<p>Da niemand etwas dagegen hat, steigen wir alle wieder in den Seat. Ich hoffe inst\u00e4ndig, dass er anspringt, und zum Gl\u00fcck entt\u00e4uscht er mich nicht.<\/p>\n<p>\u00bbWie fahren wir am besten?\u00ab, frage ich Adriani, die sich hier besser auskennt als ich.<\/p>\n<p>\u00bb\u00dcber die Landstra\u00dfe nach Ano Pedina\u00ab, antwortet sie. \u00bbDas ist der k\u00fcrzeste Weg.\u00ab<\/p>\n<p>Ich fahre zun\u00e4chst auf die Landstra\u00dfe und biege dann nach links nach Ano Pedina ab. Die Fahrzeit w\u00e4re nicht lang, k\u00e4me man auf der schmalen, einspurigen Stra\u00dfe etwas schneller voran. Aber sie ist nur andeutungsweise asphaltiert, und alle f\u00fcnfzig Meter muss man ausweichen, wenn es Gegenverkehr gibt.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gelangen wir unter Adrianis F\u00fchrung zum zentralen Dorfplatz von Messochori.<\/p>\n<p>\u00bbWas ist das f\u00fcr eine Kirche?\u00ab, fragt Kalliopi und deutet auf einen Bau, der ein St\u00fcck entfernt am Stra\u00dfenrand steht.<\/p>\n<p>\u00bbDie Sankt-Athanassios-Kirche\u00ab, kl\u00e4rt Adriani sie auf.<\/p>\n<p>\u00bbWollen wir sie besichtigen?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbJa, aber sp\u00e4ter. Die Br\u00fccke in der Vikos-Schlucht sehen wir uns am besten noch vor der D\u00e4mmerung an.\u00ab<\/p>\n<p>Wir lassen den Seat stehen und marschieren los. Adriani \u00fcbernimmt die F\u00fchrung, und wir folgen im G\u00e4nsemarsch wie die Pfadfinder.<\/p>\n<p>Der sogenannte Wanderweg ist allerh\u00f6chstens ein Ziegenpfad. Keuchend kommen wir bei unserem Ziel an. Wir bleiben auf der alten Steinbr\u00fccke stehen und blicken uns um. Beiderseits erheben sich die Felsen der Vikos-Schlucht, unter uns verl\u00e4uft ein ausgetrocknetes Flussbett.<\/p>\n<p>Nicht nur die Damen bewundern die Landschaft. Auch ich selbst bin ganz bezaubert, ich hatte vergessen, wie sch\u00f6n es hier ist. ,Man k\u00f6nnte Stunden hier stehen und schauen, aber Adriani bringt uns auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcck. \u00bbWir m\u00fcssen umkehren, bevor es dunkel wird, sonst k\u00f6nnen wir den Weg nicht mehr erkennen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWas wir St\u00e4dter alles verpassen\u00ab, bemerkt Kalliopi.<\/p>\n<p>\u00bbTja, und was die D\u00f6rfler erst verpassen\u00ab, antwortet Adriani.<\/p>\n<p>Wir schlagen den R\u00fcckweg ein. Mittlerweile haben wir uns an den Ziegenpfad gew\u00f6hnt und f\u00fchlen uns sicherer. Die Damen bestehen darauf, noch vor dem Essen die Sankt-Athanassios-Kirche zu besichtigen.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcge mich ins Unvermeidliche und folge ihnen lustlos, da mir schon der Magen knurrt. Gl\u00fccklicherweise ist die Besichtigung nur kurz, da man in der lichtlosen Kirche kaum etwas erkennen kann.<\/p>\n<p>Ein St\u00fcck weiter erblicken wir auf dem Dorfplatz den Steinbau einer kleinen Taverne.<\/p>\n<p>\u00bbHabt ihr damals im Sommer hier gegessen?\u00ab, fragt Tassia Adriani.<\/p>\n<p>\u00bbDaf\u00fcr reichte unser Geld nicht\u00ab, lautet die trockene Antwort meiner Frau.<\/p>\n<p>Der Abend ist mild, und es sitzt noch eine weitere Gruppe im Gastgarten. Kalliopi schl\u00e4gt vor, auch drau\u00dfen zu bleiben.<\/p>\n<p>\u00bbErk\u00e4lten wir uns nicht, wenn es gleich abk\u00fchlt?\u00ab, fragt Argyro.<\/p>\n<p>\u00bbNein, so schlimm ist es um diese Jahreszeit noch nicht. Wir haben ja Jacken dabei\u00ab, meint Adriani.<\/p>\n<p>Die drau\u00dfen sitzende Gesellschaft besteht aus der Fliegerin und den beiden M\u00e4nnern, die wir am Vormittag am Astraka getroffen haben. An ihrem Tisch hat noch ein deutsches P\u00e4rchen Platz genommen.<\/p>\n<p>Unsere Bekannten geben uns l\u00e4chelnd die Hand. Mit Argyros Hilfe stellen sie uns das P\u00e4rchen vor.<\/p>\n<p>\u00bbSie arbeiten auch an der Uni\u00ab, erl\u00e4utert uns Argyro zusammenfassend.<\/p>\n<p>Wir nehmen am Nebentisch Platz und bestellen Tsipouro, den einheimischen Tresterschnaps, nur Adriani ordert ein Glas Wei\u00dfwein.<\/p>\n<p>\u00bbTsipouro!\u00ab, rufen die Deutschen dem Kellner zu, wobei sie ihre kleine Karaffe schwenken. Dann verwickeln sie Argyro in eine Unterhaltung auf Deutsch.<\/p>\n<p>\u00bbSeit sie hier sind, trinken sie jeden Abend Tsipouro\u00ab, \u00fcbersetzt Argyro. \u00bbSie sind ganz verr\u00fcckt danach.\u00ab<\/p>\n<p>Der Kellner bringt die Salate und Grillgerichte. Schweigen macht sich an beiden Tischen breit, da alle sich auf das Essen konzentrieren. Nur sporadisch fliegen \u2013 mit Argyros Vermittlung \u2013 ein paar S\u00e4tze hin und her, aber mehr, um den h\u00f6flichen Anschein zu wahren. Dann bringt uns der Kellner eine neue Karaffe Tsipouro.<\/p>\n<p>\u00bbAber wir haben doch gar nichts bestellt\u00ab, wundert sich Tassia.<\/p>\n<p>\u00bbSpendiert vom Nebentisch\u00ab, erkl\u00e4rt der Kellner.<\/p>\n<p>Die Deutschen helfen uns aus der Verlegenheit, indem sie ihre Gl\u00e4ser heben. <em>\u00bbJia mas!\u00ab,<\/em> prosten sie uns einstimmig auf Griechisch zu.<\/p>\n<p>\u00bbZum Wohl und vielen Dank!\u00ab, gibt Kalliopi zur\u00fcck. \u00bbDas war doch nicht n\u00f6tig.\u00ab<\/p>\n<p>Die Deutschen sagen etwas, und Argyro \u00fcbersetzt. \u00bbSie reisen morgen nach Deutschland zur\u00fcck, weil die Uni wieder anf\u00e4ngt\u00ab, erkl\u00e4rt sie uns. \u00bbDie drei M\u00e4nner m\u00fcssen unterrichten, die Fliegerin und die andere Frau an ihren Forschungsvorhaben weiterarbeiten.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbAuf ihren H\u00f6henfl\u00fcgen haben sie hier die gute Luft genossen, aber jetzt kehren sie in ihre B\u00fcros zur\u00fcck\u00ab, sagt Tassia. \u00bbEhrlich gesagt, sind sie zu beneiden. Hoffentlich ist meinem Sohn auch so ein Schicksal beschieden.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWie? Was? Vom Astraka herunterzufliegen?\u00ab, zieht Kalliopi sie auf.<\/p>\n<p>\u00bbTja, da h\u00e4tte ich auch nichts dagegen. Es scheint ja richtig Spa\u00df zu machen.\u00ab<\/p>\n<p>Die Deutschen stehen auf und kommen her\u00fcber, um sich zu verabschieden. Wieder geben sie uns die Hand, und wir bedanken uns f\u00fcr die Einladung zum Tsipouro. Als sie gegangen sind, setzen wir uns wieder hin und trinken den spendierten Schnaps aus.<\/p>\n<p><strong>Text: Petros Markaris. \u00dcbersetzung: Michaela Prinzinger. Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Roman \u00ab<a href=\"https:\/\/www.diogenes.ch\/leser\/titel\/petros-markaris\/drei-grazien-9783257070415.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Drei Grazien. Ein Fall f\u00fcr Kostas Charitos<\/a>\u00ab, Diogenes Verlag 2018.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u03a4\u03bf \u03bc\u03c5\u03b8\u03b9\u03c3\u03c4\u03cc\u03c1\u03b7\u03bc\u03b1 \u00bb\u03a3\u03b5\u03bc\u03b9\u03bd\u03ac\u03c1\u03b9\u03b1 \u03a6\u03bf\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae\u03c2 \u0393\u03c1\u03b1\u03c6\u03ae\u03c2\u00ab \u03c4\u03bf\u03c5 \u03a0\u03ad\u03c4\u03c1\u03bf\u03c5 \u039c\u03ac\u03c1\u03ba\u03b1\u03c1\u03b7 \u03c4\u03ce\u03c1\u03b1 \u03c3\u03c4\u03b1 \u03b3\u03b5\u03c1\u03bc\u03b1\u03bd\u03b9\u03ba\u03ac, \u03c3\u03b5 \u03bc\u03b5\u03c4\u03ac\u03c6\u03c1\u03b1\u03c3\u03b7 \u03c4\u03b7\u03c2 \u039c\u03b9\u03c7\u03b1\u03ad\u03bb\u03b1 \u03a0\u03c1\u03af\u03bd\u03c4\u03c3\u03b9\u03b3\u03ba\u03b5\u03c1. \u0391\u03c0\u03cc \u03c4\u03b9\u03c2 25 \u0399\u03bf\u03c5\u03bb\u03af\u03bf\u03c5 2018 \u03c3\u03c4\u03bf \u03b2\u03b9\u03b2\u03bb\u03b9\u03bf\u03c0\u03c9\u03bb\u03b5\u03af\u03bf \u03c4\u03b7\u03c2 \u03b5\u03bc\u03c0\u03b9\u03c3\u03c4\u03bf\u03c3\u03cd\u03bd\u03b7\u03c2 \u03c3\u03b1\u03c2! \u0394\u03b9\u03b1\u03b2\u03ac\u03c3\u03c4\u03b5 \u03b5\u03b4\u03ce \u03c4\u03b1 \u03b4\u03cd\u03bf \u03c0\u03c1\u03ce\u03c4\u03b1 \u03ba\u03b5\u03c6\u03ac\u03bb\u03b1\u03b9\u03b1. 1 \u00bbEin weiter Weg liegt vor &hellip; <a href=\"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/genikou-endiaferontos\/petros-markaris-seminaria-fonikis-grafis-sta-germanika\/\" class=\"more-link\">\u03a3\u03c5\u03bd\u03b5\u03c7\u03af\u03c3\u03c4\u03b5 \u03c4\u03b7\u03bd \u03b1\u03bd\u03ac\u03b3\u03bd\u03c9\u03c3\u03b7 <span class=\"screen-reader-text\">\u00bb\u03a3\u03b5\u03bc\u03b9\u03bd\u03ac\u03c1\u03b9\u03b1 \u03a6\u03bf\u03bd\u03b9\u03ba\u03ae\u03c2 \u0393\u03c1\u03b1\u03c6\u03ae\u03c2\u00ab \u03c3\u03c4\u03b1 \u03b3\u03b5\u03c1\u03bc\u03b1\u03bd\u03b9\u03ba\u03ac<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2494,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,50,52],"tags":[882,1588,95,581,118,506,1589],"class_list":["post-2492","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-genikou-endiaferontos","category-logotechnia","category-metafrasi","tag-diogenes-verlag-el","tag-drei-grazien-el","tag-uebersetzung-el","tag-581","tag-118","tag-506","tag-1589"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2492"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2492\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2494"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michaela-prinzinger.eu\/el\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}