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Gefangene Andromeda, gefesselter Prometheus: Weibliches Schreiben im 19. Jahrhundert

Die neugriechische Prosa beginnt im 19. Jahrhundert, was die wenigsten wissen, mit der Autobiografie einer Frau. Michaela Prinzinger zieht einen Vergleich zwischen Leben und Werk zweier früher Autorinnen, der aus Zakynthos stammenden Elisavet Moutzan-Martinengou und der Britin Elizabeth Barrett-Browning.

Virginia Woolf hielt 1928 mehrere Vorträge zum Thema Women and Fiction,[1] die ein Jahr später in ausgearbeiteter Form unter dem Titel A Room of One´s Own[2] in Form eines Essays veröffentlicht wurden. Darin beschrieb sie das Schicksal der Schriftstellerinnen des viktorianischen Zeitalters und entwarf daraus eine Perspektive für die Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Die sukzessive Erwerbung eines eigenes Raumes, der Zugang zu den patriarchalischen Bildungsinstitutionen sowie ein eigenes Einkommen musste ihrer Meinung nach in einem zwar noch nicht greifba­ren, aber durchaus vorstellbaren und datierbaren Zukunftsraum zur emanzipatorischen Möglichkeit eines eigenen Lebens führen.

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Im Griechenland des beginnenden 19. Jahrhunderts war der Versuch des Ausbrechens aus den genormten Bahnen eines Frauenlebens noch zum Scheitern verurteilt. Im viktorianischen England derselben Zeit musste sich eine romantische Liebesgeschichte ereignen, damit der Aufbruch in die Freiheit gelingen konnte. Die Rede ist von einer biographischen Parallele zwischen Elisavet Moutzan, verehelichte Martinengou, und Elizabeth Barrett, verehelichte Browning. Das Los weiblicher Kreativität im frühen 19. Jahrhundert lässt sich anhand der Lebenwege dieser beiden Autorinnen durch den Mythos der gefangenen Andromeda bzw. des gefesselten Prometheus illustrieren.

Über dem Schreibtisch von Elizabeth Barretts Ehemann Robert Browning hing die Kopie eines Gemäldes mit dem Motiv der Andromeda, die, an einen Felsen geschmie­det und von einem Seeungeheuer bewacht, der Errettung durch Perseus entgegenfiebert.[3] Beide Autorinnen ließen sich durch Aischylos´ Gefesselten Prometheus zu Übersetzungen inspirieren. Beide Frauen standen im Bannkreis der väterlichen Gewalt und sie fanden jeweils an­dere Lösungen, um ihm zu entrinnen. Wie wirkt sich nun der Mythos der Befreiung der Andromeda durch einen unerschrockenen Helden einerseits auf Barretts und andererseits auf Moutzans Leben aus? Welche Folgen zieht der Mythos des Gefesselten Prometheus, der gegen den allmächti­gen Zeus revoltiert, das Feuer bzw. die Künste bringt und brutal dafür bestraft wird, für Moutzan und Barrett nach sich?

Elisavet Moutzan wurde im Jahr 1801 auf der Insel Zakynthos im Westen Griechenlands, in geographischer und kultureller Nähe zu Italien, gebo­ren. Sie war die wohlbehütete Tochter eines einflussreichen Vaters, ei­nes Großkaufmanns und Politikers. Sie wuchs eingeschlossen im Palast ihrer Familie auf, wie es damals für Frauen Sitte war. Aber sie nahm für sich selbst das Recht in Anspruch, neben ihren Pflichten im Haushalt geistig tätig zu sein, d. h. den Schritt von der Reproduktion zur Produktion zu tun. Sie setzte es bei ihrem Vater durch, Lesen und Schreiben zu lernen, fremde Sprachen zu studieren und mit sechzehn Jahren begann sie ihre literarische Produktion.

Eine stattliche Anzahl von Übersetzungen und eine Reihe von Theaterstücken machten ihrem Tatendrang und Wissensdurst Luft. Unter anderem verfasste sie eine Komödie mit dem Titel Der Geizige, unter ihren Übersetzungen aus dem Altgriechischen befindet sich auch ein Fragment von Aischylos´ Gefesseltem Prometheus. Von großem Interesse bleibt vor allem ihre Autobiographie, die ihre Lebensgeschichte von ihrem achten bis zu ih­rem dreißigsten Jahr umfasst. Mit sechsundzwanzig Jahren wagte sie einen Fluchtversuch aus ihrem Elternhaus in Richtung Italien, der mit einer reumütigen Rückkehr endete. Schließlich beugte sie sich dem Wunsch der Familie nach einer standesgemäßen Ehe. Mit knapp über dreißig Jahren brachte sie einen männlichen Erben zur Welt und starb bei der Geburt.

Die Situation der Frauen ist bezeichnend für den sozialen und kulturel­len Wandel von der traditionellen osmanisch-griechischen Kultur zur Identitätsfindung einer neugriechischen nationalen “community”. Die griechische Aufklärung zeigte erste Anzeichen einer Thematisierung der weiblichen Bildung, der erst Ende des 19. Jahrhunderts in die Praxis um­gesetzt wurde. Ein Zeichen für den kulturellen Wandel stellte das erste Auftauchen gelehrter Frauen dar. Zwischen 1816 und 1832 sind laut P. Kitromilides acht Namen belegt, einerseits Phanariotinnen, andererseits Gelehrtinnen der Diaspora.[4]

Barrett (1806-1861) verschrieb sich dem Sonnett, einer literarischen Form, die in der viktorianischen Epoche und davor männlich beherrscht war. Ihre Dichtung war Zeit ihres Lebens populärer gewesen als das Werk ihres späteren Gatten Robert Browning, eine Einschätzung, die nach ihrem Tod eine deutliche Umwertung erfuhr. Ihr Ausbruch aus dem Hause eines tyrannischen Vaters, der bis an sein Lebensende alle ihre Briefe ungeöffnet zurückschickte, bewegte nicht nur die romantischen Gemüter. Barretts abenteuerliche Biographie – eingekerkert von einem autoritären Vater, befreit von einem poetischen Liebhaber und die ge­meinsame Flucht in das paradiesische, imaginäre Land “Italien” – nährte noch lange die Phantasie der Leser und Leserinnen. Italien wurde für Barrett das Land der künstlerischen Freiheit und Unabhängigkeit und löste Griechenland ab, das in ihrer Jugend das Land ihrer Träume gewe­sen war.[5]

Elisavet Moutzan Martinengous Lebensgeschichte wurde Ende der achtziger Jahre unseres Jahrhunderts als genügend publikumswirk­sam und romanesk eingeschätzt, um vom griechischen staatlichen Fersehen verfilmt zu werden. Elizabeth Barrett Brownings Lebensgeschichte inspirierte Virginia Woolf zu Flush, der Biographie des Cockerspaniels der Schriftstellerin.[6] Woolf schildert aus der Hundeperspektive den Werdegang des Welpen Flush, der 1842 in den Besitz Barretts gelangt und von da an ihr treuer Begleiter bleibt. Barrett war zu dieser Zeit durch ein Rückenleiden kränklich und bett­lägrig und Flush leistet ihr in den langen Stunden ihrer Einsamkeit Gesellschaft. Barretts Leben war bis dahin von der emotionalen und fi­nanziellen Dominanz ihres Vaters über sie und ihre zahlreichen Geschwister geprägt gewesen. Doch 1845 erhielt Barrett den ersten Brief von dem Dichter Robert Browning, der ihr Werk und ihre Person bewunderte. Es entspann sich eine Korrespondenz von Dichter zu Dichterin, aus der eine Liebesgeschichte entstand. Ein Jahr darauf heira­tete Barrett Browning heimlich, denn sie sah die ablehnende Haltung ihres Vaters voraus. Eine Woche später flohen sie, ihre Zofe und Flush mit Browning nach Florenz, wo Barrett auch begraben liegt. Flush hielt ihr bis zu seinem eigenen seligen Ende die Treue, und Woolf erhält so die Gelegenheit, einerseits das biographische Genre zu parodieren und ande­rerseits die Geschichte der ersten englischen Dichterin, die sich öf­fentlich durchsetzen konnte und Anerkennung fand, zu erzählen.

Flush

Der Lebensbericht einer Frau, die Autobiographie von Elisavet Moutzan Martinengou, bildet einen der ersten Texte der neugriechischen Prosa zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Dieser Text wurde erst viele Jahrzehnte nach ihrem Tod, im Jahre 1881, von ihrem Sohn in gekürzter Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die familiäre Zensur hatte einige Passagen aus Moutzans Werk, die wohl ihr Verhältnis zu ihrem Vater betrafen, ausgeblendet. Die Publikation fand keinen großen Widerhall, erst Mitte des 20. Jahrhunderts begann sich die marxistische Geschichtsschreibung für Moutzan zu interessieren. In den fünfziger und sechziger Jahren erfolgten Neuausgaben der Publikation von 1881,[7] in den siebziger Jahren entdeckte die griechische Frauenbewegung Moutzans Geschichte und zählte sie zur “Großmüttergeneration” eines weiblichen Diskurses in Griechenland.[8]

Die Ionischen Inseln wurden wohl durch die venezianische Herrschaft zwischen 1480 und 1797 am stärksten geprägt, was eine enge Bindung zwischen der italienischen Kultur und Corfu, Zante und Cephalonia be­wirkte. Auch die Position der adeligen Frauen wurde durch Venedig ge­prägt, wo sie, eingeschlossen in die häusliche Sphäre, das Lesen und Schreiben als einzigen Ausweg sahen. Diese Aktivitäten fanden mit der – maßvollen – Unterstützung des Vaters statt; Liebesheiraten waren un­bekannt, Zweckehen an der Tagesordnung und Nonnenklöster erschienen als ein Refugium für die Gelehrtinnen.[9] 1799 übernahm die russisch-türkische Flotte die Ionischen Inseln, 1800 wurde ein autonomer Ionischer Staat unter Protektorat errichtet, was zu einer Spaltung der Bevölkerung in Aristokraten (Befürworter eines russ.-türk. Protektorats) und Demokraten (Anhänger des liberales Gedankenguts der französischen Revolution und eines unabhängigen Ionischen Staates) führte. 1807 wurden die Inseln durch Frankreich übernommen, 1815 ge­rieten sie unter britisches Protektorat und wurden praktisch als Kronkolonie behandelt. Moutzans Vater war Distriktgouverneur (Eparch) von Zakynthos und Regierungsmitglied in Corfu. Einer von Moutzans Lehrern, Theodosios Dimadis, war Mitglied der Filiki Etaireia – der Geheimorganisation, die den griechischen Aufstand gegen die osmani­sche Herrschaft 1821 vorbereitete – und hat vermutlich seine liberalen Ideen an seine Schülerin weitergegeben.

Elisavet Moutzan filtert die Ereignisse der Zeit durch das weibliche er­zählende Ich. Das Ich ihres Textes ist authentisch, also nicht fiktonal. Das Subjekt der Erzählerin und das Text-Ich sind deckungsgleich, was zu einer textuellen Spontaneität und Unmittelbarkeit führt. Die Autobiographie gewährt intime Einblicke in die geistige Entwicklung der Schreiberin als Beispiel eines aufklärerischen Bildungsideals, wo sich der naturgegebene Drang nach Wissen einer systematisch erworbenen Gelehrsamkeit gegenüber als gleichwertig erweist. Künstlerische Kreativität wird zwar erst durch den Zugang zur männlich dominierten Welt des geschriebenen Wortes ermöglicht, Moutzan führt jedoch wie­derholt Textauszüge aus – vor jeglicher theoretischen Fundierung – verfassten Schriften an. Sie bezieht sich auf eine, in ihren literarischen Anfangsjahren ohne Kenntnis der aristotelischen Einheiten, geschrie­bene Tragödie, oder auf ihren ehrgeizigen Plan, eine Schrift über Ökonomie ohne jegliche wissenschaftlichen Grundkenntnisse abzufas­sen. Sie sagt damit aus, dass in der menschlichen und insbesondere in der weiblichen Natur ein Streben nach Bildung vorhanden sei, das sich trotz des fehlenden Zugangs zum niedergelegten, tradierten Gut des Wissens Gehör verschaffe.[10] Die Redewendung von der Natur (d. h der angebore­nen Lernbegierde des Menschen) verweist im Grunde aber auch wieder auf den Schöpfer, der Herr der Natur ist.

Barretts Wissensdurst, der sich an ihrer Leidenschaft für die griechi­sche Sprache ablesen lässt, schlug sich in ihrem in den Jahren 1831-1832 geführten Tagebuch nieder.[11] Dort zeichnete sie minutiös ihre Fortschritte in den klassischen Studien auf, und ihr Griechischlehrer Mr. Boyd bildete eine beherrschende Gestalt in ihren Aufzeichnungen. Zunächst war sie vom Lehrer ihres Bruders mit unterrichtet worden, nur bis zu dem Zeitpunkt freilich, wo ihr Bruder die Familie zwecks höherer Studien verließ. Barretts erste, von ihrem Vater initiierte Publikation, bildete The Battle of Marathon, die sie als Vierzehnjährige verfasste. Sie imaginierte sich in einem kleinen autobiographischen Text nach der Abfassung ihres Gedichts als weiblicher Homer, der – selbstironischerweise – je­doch bald wieder durch den Vergleich mit dem Original auf den Boden der Tatsachen geholt wird. Zwischen 1826 und 1833 widmete sie sich einer intensiven Lektüre griechischer Texte, und sie fertigte – wie Moutzan – unter anderem eine Aischylosübersetzung, Prometheus Bound, an. Es kann also keine Rede von “lady´s Greek without the accents” sein, was sie der männlichen Hauptfigur ihres bekanntesten Werks, des Versromans Aurora Leigh (1856), in den Mund legte.[12] Während sie ihre klassischen Studien betrieb, verfolgte sie auch die Ereignisse im auf­ständischen Griechenland, was in den 1826 veröffentlichten Gedichten Riga´s Last Song oder Stanzas on the Death of Lord Byron zum Ausdruck kam.[13]

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Die Welt des Griechischen, d. h. die Welt der intellektuellen Autoritäten, wurde ihr durch männliche Mentoren eröffnet. Das Erlernen dieser Sprache musste ihr als Zugang zu männlich monopolisiertem Wissen und männlicher Macht erscheinen. Doch das Verweilen im Reich der Bücher kollodierte manchmal mit der Welt der weiblichen Pflichten. Selbst wenn, wie bei Barrett, Bedienstete und ein verständnisvoller Gatte die Beschäftigung mit der Dichtkunst ermöglichten, so blieb die Frau doch in ihrer biologischen Rolle befangen. Liebe, Ehe und Mutterschaft bilden in Aurora Leigh den gegensätzlichen Pol zu weiblichem Schreiben. Die Hauptfigur Aurora schwankt zwischen diesen beiden Optionen weibli­cher Existenz. Sie wählt zunächst den Weg, allein in London zu leben und durch ihre Feder ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Was jedoch einen sehr tugendhaften Lebenswandel im viktorianischen Zeitalter erfordert, will sie nicht durch den Gewinn sexueller Freiheit ihren guten Ruf ver­lieren. Die Voraussetzung für weibliche literarische Produktion bildet somit der Verzicht auf Familie.

Elisavet Moutzan war zu einer ganz ähnlichen Schlussfolgerung gelangt, indem sie ihrem Vater und ihrem Onkel mehrfach vorschlug, sie in ein Frauenkloster eintreten zu lassen und sie vor dem Joch der Ehe zu be­wahren, das viele Frauen aus der Gefangenen ihres Vaterhauses zur Sklavin ihres Ehemannes mache. Moutzan erträumte ihr Zimmer für sich allein als Klosterzelle oder als eigens für ihre Bedürfnisse adaptierte Räume auf einem Landgut ihrer Familie, wo sie sich ungestört und unbe­helligt von lästigen häuslichen Aufgaben ihrer geistigen Entwicklung widmen könnte. Auch Moutzan war wie Barrett hin- und hergerissen zwischen dem passiven Gehorsam einer höheren Tochter und einem un­bändigen Wissensdurst und intellektuellen Freiheitsdrang.

Das, was beiden, Moutzan und Barrett, am Herzen lag, war die Sorge um ihre Begabung, um dieses seltene Talent der dichterischen Rede und um die Förderung ihrer intellektuellen Kapazitäten. Was sich Moutzan zu­schrieb und mit “αγχίνοια”[14] und “γεννητικός νούς”[15] bezeichnete, hätte Barrett vermutlich mit “genius”[16] gleichgesetzt. Immer wieder kommt Moutzan auf ihr Doppelleben zurück: einerseits die Ereignisse des Haushalts, andererseits ihr Reich des Imaginären, der Phantasie, des schöpferischen Geistes. Sie pendelt in ihrer Darstellung ständig zwi­schen ihrem “häuslichen” Dasein, das sie den “Augen des Körpers” un­terstellt, und ihrem “literarischen” Leben, das sie den “Augen des Geistes” widmet. Ganz wie Barrett, die vor Verlangen nach dem Griechischen in Tränen ausbrach, empfand auch Moutzan ein schier übermächtiges Sehnen nach Gelehrsamkeit. Als ihr der Vater aus Zeitgründen keinen Italienischunterricht mehr erteilen konnte, erwarb sie weitere Sprachkenntnisse durch das Aufarbeiten der zweisprachigen Ausgabe der Fior di Virtù (Venedig, 1546). Sie widmete sich diesem Studium mit solchem Eifer, dass sie sogar ihre Handarbeit darüber ver­gaß, was natürlich ihrer Mutter und Großmutter missfallen musste. Sie projizierte ihr Sehnen nach Wissen und Erkenntnis in körperliche Zustände:

Die Zuneigung, die in mir zur Gelehrsamkeit entflammt war, hatte mich in einen so empfindlichen Zustand versetzt, dass ich bei jedem auch noch so nichtigen Anlass vermeinte, totenstarr zu werden; meine starke Einbildungskraft ließ mir meine Ungebildetheit bereits als gewiss er­scheinen, und ich erschrak ob einer solchen Gewissheit, und ich sah mei­nen Geist schon von dichten und düsteren Wolken verdunkelt, welche gewöhnlich das Leben und den Namen der ungebildeten und unbelesenen Menschen überschatten.[17]

Für Virginia Woolf symbolisierte die Kenntnis des Griechischen das in­tellektuelle Bollwerk männlichen Wissens. Immer wieder zog sie das Griechischlesen als Beispiel heran, um aufzuzeigen, wie wenig Zeit den Frauen neben ihren vielen häuslichen Tätigkeiten und humanitären Pflichten blieb, sich den Zugang zu diesem klassischen Bildungsschatz zu erwerben.[18] Ironisch (und nicht wahrheitsgetreu) behauptete sie in einem Leserbrief – als Angehörige einer intellektuell inferioren Gattung – kein Griechisch zu können.[19] Ähnlich täuschte sie die Lesererwartungen in dem Aufsatz On Not Knowing Greek,[20] wo sie sich – ganz im Gegensatz zum Titel – als ausgezeichnete Kennerin der anti­ken Literatur erwies.

Bei Elisavet Moutzan führte die Verweigerung der geistigen Nahrung zu körperlichen Symptomen und Mangelerscheinungen. Der im urbanen häuslichen Bereich außer Funktion gesetzte weibliche Körper wurde überflüssig, wenn nicht durch Ehe und Mutterschaft in Anspruch genom­men. Barrett begann im Jahr 1841 ihre Selbst-Einkerkerung durch Krankheit; Moutzan berichtet, sie sei nur als Kind zur Messe außer Haus gewesen und habe danach nur wenige Male unter Begleitung und nachts die Hl. Kommunion empfangen dürfen. Rasche körperliche und geistige Erschöpfungszustände sind die Folge dieser prolongierten Tochterschaft. Denn eine Tochter kann ihren Leib – die Mutterschaft – verleugnen und sich statt dessen die Welt der Bücher einverleiben. Wiederholt taucht bei Moutzan die Verwendung der Geburtsmetapher als Kennzeichnung ei­nes intellektuellen Schöpfungsvorgangs auf, und ihre Schriften bezeich­net sie als ihre Kinder.

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Elizabeth Barrett-Browning

Als Robert Brownings erster Brief eintraf, besserte sich Barretts Gesundheitszustand schlagartig, sodass sie nach kurzer Zeit sogar fähig war, aus der lebenslangen Abhängigkeit von ihren Vater auszubrechen und in Italien einen eigenen Hausstand auf der Basis eigener Einkünfte zu gründen. Moutzans Versuch jedoch, sich die Freiheit zu nehmen, die ihr in ihrem Vaterhaus versagt wird, scheiterte. Denn sie stand völlig allein – ohne Unterstützung, ohne Geld und völlig unerfahren in der Außenwelt – vor dem Problem, nach Italien überzusetzen, in das ima­ginäre Land künstlerischer Freiheit, und sich auf ehrbare Weise den Lebensunterhalt zu verdienen. Robert Browning lernte Elizabeth Barrett über ihre publizierten Gedichte kennen und lieben, Elisavet Moutzan er­lebte eine Drucklegung ihrer Werke, nach der sie sich so besonders ge­sehnt hatte, nicht. Moutzan befürchtete eine Vergewaltigung ihres geistigen Eigentums selbst durch ihren eigenen Bruder: Sie imaginierte ihre Arbeiten von Würmern zufressen, von Unverständigen zertrampelt, als Küchenpapier missbraucht. Für Moutzan bedeutete ihre Eheschließung nicht den Weg in die Unabhängigkeit. Ihre Autobiographie bricht mit die­sem Ereignis ab, während sie den monatelang um die Mitgift feilschen­den Bräutigam noch nie zu Gesicht bekommen hat. Für Moutzan bedeutete Ehe und Mutterschaft den körperlichen Tod und das Ende ihrer künstleri­schen Kreativität.

Moutzan wiegte sich in ihrem Traum von einem zurückgezogenen, fried­vollen, arbeitsreichen und tugendsamen Klosterleben, in dem sie erbau­liche Schriften ins Volksgriechische übersetzen und zum Nutzen des Gemeinwohls (und nicht zuletzt auch zu ihren eigenen Angedenken) druc­ken lassen würde. Diese ausgeglichene Phase ihres Lebens wurde durch ein Trauma gestört, das sie erlitt, als sie von einem Blitzschlag erfuhr, der ein Haus auf Zakynthos in Brand gesteckt und ein junges unschuldi­ges Mädchen das Leben gekostet hatte. Sie identifizierte sich mit dieser jungen Frau und Moutzans Weltbild geriet ins Wanken, da dieses Mädchen augenscheinlich keine solche Strafe Gottes verdient hatte. Von da an erfasste sie bei Gewittern große Angst. Sie imaginierte ihr Zimmer in Flammen und sich selbst zu Asche verkohlt. Drei Jahre lang währte die­ses Trauma, aus dem sie sich schließlich selbst wieder befreite. Während dieser Zeit der Angst ergriff sie einmal ein starker – heutzutage würde man sagen, psychosomatischer – Schmerz, eine Art Lähmung (man vergleiche hier mit Barrett), die sie mit einer möglichen Erkältung erklärte und die nach Mitternacht wieder abklang. Die Zeit der Rekonvaleszenz nützend, befreit von der obligaten Handarbeit, kompo­nierte sie flugs einen Dialog in italienischer Sprache “Über den Neid”.

Moutzans Fluchtplan im Jahr 1826 war gewesen, auf Corfu als Dienstmagd zu arbeiten, dann nach Venedig zu einer verwandten Familie überzusetzen und sich auch dort als Dienerin zu verdingen, bis sich der geeignete Augenblick einer Eröffnung der Wahrheit ergäbe. Zur abscheu­lichen Tat der Flucht sei sie durch die barbarische Sitte auf Zakynthos gezwungen worden, den Frauen ihre Freiheit zu rauben. Überall in Europa und Venedig stünden den Frauen mehr Rechte zu als in einigen, sehr kon­servativen Familien auf Zakynthos. Deshalb wäre sie in Venedig sicher­lich auf Verständnis für ihre Tat gestossen. Mit Hilfe ihrer Verwandten wäre sie dann in ein westliches Kloster eingetreten, unter der Voraussetzung, ein paarmal im Jahr einen orthodoxen Gottesdienst zu besuchen. Wenn dies jedoch nicht gelungen wäre, so hätte sie sich eine Wohnung im Hause ehrbarer Damen gesucht und ein gottesfürchtiges und zurückgezogenes Leben geführt. Zur Kultivierung ihren Geistesgaben würde sie sich wohlweislich an betagte Lehrer in den Fächern Malerei, Musik und Verskunst wenden, um auch nur dem Schatten eines Verdachts der Unkeuschheit zu entgehen. Moutzan imaginierte sich in ihren niemals realisierten Plänen auf ähnliche Weise wie Barrett ihre emanzipierte Heldin Aurora Leigh agieren ließ.

Moutzan

Ihre Werke würde sie erfahrenen Kritikern anvertrauen und mit deren Einverständnis drucken lassen. Moutzan unternahm noch einen letzten Versuch in Richtung des Klosterprojekts: Sie schrieb unter dem Namen ihrer Mutter einen Brief an einen Vetter in Venedig mit der Bitte, sich nach einem Kloster umzusehen. Die Familie reagierte empört auf ihre Aktion und schließlich willigte sie ein, da ihre Familie mit keinen Mitteln umzustimmen war, nach einem passenden Ehemann Ausschau zu halten. Die Suche nach einem Bräutigam erwies sich auf Zakynthos je­doch als schwierig, was Moutzan veranlasste, wiederum auf die Möglichkeit des Klosters zu verweisen, bevor man sie mit einem nicht standesgemäßen Mann verheiratete. Als schlimmstes Schreckgespenst erschien ihr die Vorstellung, als alte Jungfer für immer und ewig im Haus eingekerkert zu bleiben. Daraufhin verfiel sie in einen apathischen und sprachlosen Zustand, dem sie erst ihre liebevolle, aber unnachgie­bige Mutter wieder entriss.

Die Trauer, die ich deswegen verspürte, bewirkte, dass ich mich ver­nachlässigte, ungekämmt, ungewaschen und das Essen verweigernd auf einem Bett hingestreckt lag, ohne sprechen zu wollen und ohne zu wol­len, dass mich irgendjemand ansprach, die Augen starr auf einen Punkt gerichtet, und so begann sich die Gestalt des Todes auf meinem Antlitz zu zeigen.[21]

Die Töchter viktorianischer Väter reagieren mit Krankheit und frühzei­tigem Siechtum auf die übermächtige und despotische Figur, der sie sich vollkommen ausgeliefert fühlen müssen. Barrett schloss sich in einem einzigen Raum des familiären Hauses, der zum Krankenzimmer wurde, ein und verließ ihn oft monatelang überhaupt nicht. Das erhoffte Zimmer für sich allein geriet somit paradoxerweise zum selbstgewählten Gefängnis, zum Alptraum der verhinderten Freiheit. Barrett gelang mit vierzig Jahren die Flucht, sie wurde daraufhin von ihrem Vater versto­ßen und blieb als verwaiste und enterbte ungehorsame Tochter zurück.

Die kreativen Töchter stehen in einem Zwiespalt: auf der einen Seite der geforderte und erwartete passive Gehorsam und auf der anderen Seite die ersehnte totale Unabhängigkeit der Künstlerin. Der Vater bildet ei­nerseits Quelle der Inspiration, zu der mit Bewunderung aufgeschaut wird, und er verkörpert eine soziale, moralische und literarische Autorität, um dessen Lächeln und Anerkennung geworben wird,[22] ande­rerseits wird er für die, zwar gesellschaftlich abhängige, aber geleh­rige und ehrgeizige Tochter zur Quelle der Unterdrückung. Auch Moutzan bemühte sich um die Autorisierung weiblichen Schreibens durch den Vater.

Liebet eure Kinder, ihr Väter, liebet eure Kinder, ich bitt´ euch! Seid stets darum bemüht, ihnen ein glückliches Leben zu ermöglichen, zumal ihr ihnen aus freien Stücken das Leben geschenkt habt, ohne dass sie euch darum gebeten haben. Doch sie sind weiblich; eben gerade darum, weil sie weiblich sind, habt ihr die Verpflichtung, sie besonders zu lie­ben. Wir unglücklichen Frauen, die uns die Natur mit größerer Empfindsamkeit ausgestattet hat, die wir durch den Brauch dazu verur­teilt sind, unseren Vätern in stärkerem Ausmaß unterworfen zu sein als die Männer, wir fühlen die väterliche Liebe umso mehr, und wir bemühen uns umso mehr darum, uns den Vätern gegenüber untergeordnet zu zei­gen. Andererseits seid ihr verpflichtet, eben weil sie weiblich sind, sie inniger zu lieben, denn gerade sie (ich spreche von den Frauen meiner Heimat), die in einem Haus gefangengehalten werden, haben eure väter­liche Sorge umso nötiger.[23]

Moutzan schrieb diese Gedanken an ihren Vater, der zusammen mit sei­nem Sohn bereits zwei Jahre in Italien weilte und anscheinend nicht daran dachte, zurückzukehren und sich der drei auf Zakynthos zurück­gebliebenen Frauen – Moutzans sowie ihrer Mutter und Schwester – an­zunehmen. Der Widerspruch zwischen töchterlicher Pflicht, sittenstren­gem Brauch und literarisch-philosophischer Neigung blieb für diese Frau des 19. Jahrhunderts ungelöst. Der Widerstreit zwischen Ehe und Mutterschaft auf der einen und literarischer Kreativität auf der anderen Seite birgt jedoch nach wie vor auch für die Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts wie Virginia Woolf eine dramatische Entscheidung.

In Elizabeth Barretts und Elisavet Moutzans Lebensgeschichte sind äu­ßere und innere Mobilität miteinander verknüpft und bilden eine wich­tige Voraussetzung für geistiges Schaffen. Für die Frauen des vorigen Jahrhunderts bot die Option von Ehe und Mutterschaft oft die einzige Möglichkeit sozialer und intellektueller Mobilität. Elizabeth Barrett wurde – wie Andromeda – von Robert Browning aus den Klauen eines weiblichen viktorianischen Schicksals entrissen; Elisavet Moutzan ver­weigerte sich ihrer Befreiung durch Perseus, den Ehemann, so lange, bis sie der Tod in der Gestalt der Mutterschaft ereilte. Die Figur der Andromeda blieb für beide Autorinnen des 19. Jahrhunderts das Symbol weiblicher Kreativität: Der Widerspruch des weiblichen kreativen Prometheus musste in die mythische Gestalt der passiven Andromeda münden. Beide Autorinnen imaginierten den an den Kaukasus gefesselten Frevler, der durch den Zorn des Göttervaters unendlichen Qualen ausge­setzt ist. Nur die heimliche, diebische Aneignung des Herrschaftswissen führt für die kreativen Frauen Anfang des 19. Jahrhunderts zum künst­lerischen Sprechen.

[1]Woolf, V.: Women & Fiction. The Manuscript versions of A Room of One´s Own. Transcribed and edited by S.P. Rosenbaum. Oxford: Blackwell 1992.

[2]Woolf, V.: A Room of One´s Own. London: Penguin 1945 (11929), 49-50.

[3]Mermin, D.: Elisabeth Barrett Browning. The Origins of a New Poetry. Chicago and London: The Univ. of Chicago Pr. 1989, 119.

[4]Sie widmeten sich vor allem der Übersetzung wie z. B. Prinzessin Rallou Soutzou, die A. Therèse de Lamberts Avis d´une mère à sa fille (1734) ins Griechische übertrug, gedruckt 1819 in Venedig. Darin basieren die weiblichen Charakteristika auf Religiosität, was mit Bescheidenheit, Uneitelkeit, Kontrolle der Fantasie/Einbildungskraft, Familie, Ablehnung von Theater und Poesie als zu “gefährlich” gleichgesetzt wurde. Weibliche Tugenden könnten durch Fächer wie die griech-röm. Geschichte, Philosophie und Ethik, Altgriechisch und Studium der Hl. Schriften, das Französische unter Meidung des Italienischen (als Ausdrucksmittel einer erotischen Literatur) und unter Umgehung von Romanen, die die Leidenschaften erregen könnten, herausgebildet und gefördert werden. Die Frau solle im Schatten des Ehemannes verweilen und im Haushalt aufgehen. Aikaterini Soutzou übersetzte G. Bonnot de Mablys Entretiens de Phocion sur le rapport de la morale avec la politique (1819, Jasy). Aik. Rasti übersetzte Jeu de cartes historiques (Wien 1816) und die erst dreizehnjährige Roxani Samourkasi S. Gessners Erastus, wobei sie ihre Arbeit ihrem Vater widmete. Mitio Sakellariou fertigte Übersetzungen von Goldoni an (1818, Wien), wobei in der Einleitung der Briefwechsel mit ihrem Vater und mit den Wiener Verlegern dokumentiert wurde. Darin kehren einige für die Zeit und für die Haltung gegenüber intellektuellen Frauen kennzeichnende Argumente wieder: die Dankbarkeit gegenüber dem Vater, der die Tochter jedoch vor einer übertriebenen intellektuellen Tätigkeit warnt, da der Haushalt an erster Stelle stehe.

P. Kitromilides: The Enlightenment and Womanhood: Cultural Change and the Politics of Exclusion. JMGS 1/1 (1983), 39-61. Auch in: Ders.: Enlightenment, Nationalism, Orthodoxy. Studies in the culture and political thought of southeastern Europe. Hampshire, Variorum 1994, 55-61.

[5]Forster, M.: Elizabeth Barrett Browning. A Biography. London: Chatto & Windus 1988. Forsters Biographie besteht aus zwei Teilen, wobei Barretts Eheschließung 1846 als entscheidender biographischer Einschnitt fungiert.

[6]Woolf, V.: Flush. A Biography. London: Hogarth Pr. 1958 (11933).

[7]Elisavet Moutzan Martinengous Lebensgeschichte wurde zuerst von ihrem Sohn im Jahr 1881 herausgegeben, fünfzig Jahre nach dem Tode seiner Mutter. Im Vor- und Nachwort der Ausgabe brachte Elisavetios Martinengos die Wertschätzung der literarischen Werke seiner vergessenen Mutter zum Ausdruck und versprach die Publikation auch anderer erhaltener Schriften. Vorläufig habe er bestimmte, für die breitere Öffentlichkeit interessante, Auszüge aus der Handschrift seiner Mutter ausgewählt. In der gleichen Ausgabe publizierte er eine stattliche Anzahl eigener Gedichte und Übersetzungen, genauer gesagt: in größerem Umfang als die Autobiographie seiner Mutter selbst. Er spannte einen Bogen intellektueller Tradition zwischen den Generationen, indem er sein Buch seinen eigenen Kindern ans Herz legte.

In der Zwischkriegszeit bezogen sich einige Literaten wie etwa G. Xenopoulos auf Moutzans frauenemanzipatorische Rolle (in der Zeitschrift Nea Zoi 12 (1924), 34-47). Erst in den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts regte sich erneut Interesse an Moutzans Werken (durch D. Oikonomos in seiner Zeitschrift Heptanisiaka Phylla 10, 1947) und schließlich entschloss sich K. Porfyris, nachdem Oikonomos´ Archiv nach dem verheerenden Erdbeben von 1953 großteils zerstört worden war, zu einer Neuausgabe von Moutzans Autobiographie, die er auf eigene Kosten bestreiten musste. Porfyris hebt in seinem 1956 verfassten Vorwort die Rolle Mutzans als die einer Frau hervor, die allein gegen die barbarischen Bedingungen ihrer Zeit und ihrer Klasse gekämpft, die sich gegen ihr reaktionäres Umfeld behauptet und sich im Alleingang Bildung angeeignet habe. Ihr sei ihr Sklavendasein zu Bewusstsein gekommen und sie habe zur Emanzipation des Menschen aufgerufen.

In den sechziger Jahren edierte F. Bouboulides das bis dahin noch unveröffentlichte, in verschiedenen privaten Archiven erhaltene, Material wie die Komödie Der Geizige (1823-24), einen “Dialog” (um 1822) in Zusammenhang mit der verschollenen Studie “Über Ökonomie” (1826), Gedichte und Prosa, Übersetzungen aus dem Altgriechischen ins “einfache” Gemeingriechische – “aploelliniki” wie Aischylos´ Prometheus Desmotes und Iketides und die Odyssee, sowie zwanzig Briefe aus den Jahren 1820-24. In der Komödie Der Geizige zeichnete Moutzan das Charakterbild eines Haustyrannen, dem sich der Sohn schließlich durch Betrug und Diebstahl und die Ehefrau durch den Rückzug in ein Kloster und die Rückforderung ihrer Mitgift (also faktisch eine Scheidung) entzogen. Somit blieb den unterdrückten Familienmitgliedern durchaus ein emanzipatorischer Handlungsspielraum als Reaktion auf die Allüren des Familienvorstands. Laut T. Mavraki bewegt sich die Komödie zwischen Molières L´Avare (1668) und K. Ikonomous Bearbeitung (1816). Ikonomou bringe Elemente aus Smyrna ein, während Moutzan Zakynthisches einbaue. Ebenso gebe es Bezüge und Ähnlichkeiten zu A. Matesis´ Vasilikos (1829-30): Μαυράκη, T.: O Φιλάργυρος της Ε. Μουτζαν-Μαρτινέγκου: Ένα γυναικείο θεατρικό έργο στο σταυροδρόμι του διαφωτισμού και του ρωμαντισμού. Μαντατοφόρος 39-40 (1995), 61-76.

1989 erschien eine mit einem fundierten Vorwort versehene Übersetzung ins Englische und 1997 erfolgte ein Neuabdruck des Lebensberichts in der Fassung von 1881, was auf ein steigendes Interesse an dieser frühen neugriechischen Autorin schließen lässt.

Η μήτηρ μου. Αυτοβιογραφία της κυρίας Ελισάβετ Μουτζαν-Μαρτινέγκου. Εκδιδομένη υπό του υιού αυτής Ελισαβετίου Μαρτινέγκου, μετά διαφόφων αυτού ποιήσεων. Εν Αθήναις, Εκ του τυπογραφείου της Κορίννης 1881. Μπουμπουλίδης, Φ.: Ελισάβετ Μουτζάν-Μαρτινέγκου. Αθήναι, Φιλεκπαιδευτική Εταιρεία 1965. (Neuabdruck von Porfyris´ gleichnamiger Studie Athen, Digenis 1956.) Elisavet Moutzan-Martinengou: My Story. Translated by H. Dendrinou Kolias. Athens & London, The University of Georgia Press 1989. Μουτζάν-Μαρτινέγκου, E.: Αυτοβιογραφία. Εισαγωγή-Φιλολογική επιμέλεια: Αθανασόπουλος, Β. Αθήνα, Ωκεανίδα 1997.

Mutzan findet in den meistzitierten griechischen Literaturgeschichten nur marginale Erwähnung. In Dimaras´ Literaturgeschichte wird sie auf dem Drittel einer Druckseite abgehandelt; bei Vitti scheint Mutzan in einer Fußnote auf; bei Politis bleibt sie unerwähnt; nur Mοullas stellt ihr Werk gleichberechtigt an die Seite der ersten literarischen Zeugnisse des modernen griechischen Staates.

Δημαράς, Κ. Θ.: Ιστορία της νεοελληνικής λογοτεχνίας. Από τις ρίζες ως την εποχή μας. Αθήνα, Ίκαρος 61975 (1948-49), 216-217. Vitti, M.: Ιστορία της νεοελληνικής λογοτεχνίας. Νέα έκδοση. Αθήνα, Οδυσσέας 21989 (1987), 66. Πολίτης, Λ.: Ιστορία της νεοελληνικής λογοτεχνίας. Αθήνα, MIET 1991. Μουλλάς, Π.: Η λογοτεχνία από τον Αγώνα ως τη γενιά του 1880. Στο: Ιστορία του Ελληνικού Έθνους. Αθήνα 1977, 492-514.

[8]Πίσω από της τζελουτζίες. Η Αυτοβιογραφία της Ελισάβετ Μαρτινέγκου. Στο περ.: Σκούπα. Για το γυναικείο ζήτημα 2 (1979), 21-33. VARIKAS, E.: Hinter Jalousien schreiben. Über “private” und “öffentliche” Strategien im Tagebuch einer Eingeschlossenen. In: Feministische Studien 1 (1989), 43-54.

[9]Die Ionischen Inseln gehörten zum röm., später zum byz. Reich, ab dem 11. Jahrhundert standen sie unter der Herrschaft von Robert Guiscard, dem normannischen König von Sizilien. Vom 12. – 15. Jhdt. unterstanden sie verschiedenen Herrschern, u. a. italienischen Dynastien wie den Orsini und Tocco. Von 1480 bis 1797 fielen die Ionischen Inseln an Venedig und dann an die napoleonischen Truppen.

[10]Der von Bouboulides publizierte “Dialog” zwischen Elisavet und einer jungen Frau – vom Herausgeber als Vorform der verschollenen Studie “Über Ökonomie” angesehen – thematisiert das Wagnis, die weiblichen Sphären der Fiktion (Gedichte, theatralische Dialoge, Träume, Visionen) zu verlassen und in das männlich dominierte Genre der wissenschaftlichen Abhandlung einzudringen. Die ob Elisavets Plänen überraschte und in Schrecken versetzte Dialogpartnerin hält Elisavet die Unmöglichkeit ihres Vorhabens entgegen, als unerfahrene und ungebildete Frau mit stark eingeschränktem Lebenshorizont eine solch anspruchsvolle Studie in Angriff zu nehmen. Elisavet rechtfertigt sich mit dem Argument des Nutzens für ihre Geschlechtsgenossinnen. Die junge Frau hält Elisavet schließlich die Gefahr einer solchen modernen Neuerung vor, die ihr viele verleumderische Feinde schaffen könnte. Trotz allem hält Elisavet jedoch an ihrem Glauben an die Macht der Wahrheit fest. Μπουμπουλίδης, Φ.: Ελισάβετ Μουτζάν-Μαρτινέγκου. Αθήναι, Φιλεκπαιδευτική Εταιρεία 1965, 120-122.

[11]The Barretts at Hope End. The Early Diary of Elizabeth Barrett Browning. Ed. with an introd. by E. Berridge. London: Murray 1974.

[12]Barrett Browning, E.: Aurora Leigh and Other Poems. Introduced by C. Kaplan. London: The Women´s Press 1978, II, Vs 76-77.

[13]The Complete Works of Elizabeth Barrett Browning. Edited with Introductions and Notes by C. Porter and H. A. Clarke. Vol. I. New York: Thomas Y. Cromwell & Co. Publ. 1900 (Nachdruck 1973), 116-117 bzw. 104-105.

[14]Μουτζάν-Μαρτινέγκου, Ε.: Αυτοβιογραφία. Επιμ. Κ. Πορφύρης. Αθήνα, Εκδ. Κείμενα 1983, 91 und 92.

[15]Μουτζάν-Μαρτινέγκου, Ε.: Αυτοβιογραφία. Επιμ. Κ. Πορφύρης. Αθήνα, Εκδ. Κείμενα 1983, 35 und 53.

[16]Vgl. The Development of Genius. In: Barrett Browning, E.: Hitherto unpublished poems and stories with an unedited autobiography. Vol. II. London: The Bibliophile Society 1914, 99-133.

[17] Η αναμμένη αγάπη, την οποίαν ησθανόμουν δια τα γράμματα με είχε καταστήση τόσον αισθητικήν, οπού εις κάθε εμπόδισμα αγκαλά και μικρόν, εγροίκα τον εαυτό μου να νεκρώνη, η δυνατή φαντασία μού εβεβαίωνε την αμάθειαν, εγώ ετρόμαζον εις μίαν τέτοιαν βεβαιότητα, και μού εφαίνετο να θεωρώ τον εαυτόν μου σκοτεινιασμένον από εκείνα τα πυκνά και σκιερά σύγνεφα, τα οποία συνηθούν να σκοτεινιάζουν την ζωήν και το όνομα των αμαθών και απαιδεύτων ανθρώπων.

Η μήτηρ μου. Αυτοβιογραφία της κυρίας Ελισάβετ Μουτζαν-Μαρτινέγκου. Εκδιδομένη υπό του υιού αυτής Ελισαβετίου Μαρτινέγκου, μετά διαφόφων αυτού ποιήσεων. Εν Αθήναις, Εκ του τυπογραφείου της Κορίννης 1881, 15.

[18]Woolf, V.: Der Kompromiss <Mrs Humphrey Ward>. In: Woolf, V.: Frauen und Literatur. Essays. Hg: K. Reichert. Frankfurt/Main: Fischer 1989, 180-184, bes. 182.

[19]Woolf, V.: <Der intellektuelle Status der Frauen>. In: Woolf, V.: Frauen und Literatur. Essays. Hg: K. Reichert. Frankfurt/Main: Fischer 1989, 23-30, bes. 24.

[20]Woolf, V.: The Common Reader. (First Series). London: Hogarth Press 51945 (1925), 39-60. Wie viele viktorianische Bildungsbürger hatte auch Virginia Woolf, als sie noch Virginia Stephen hieß, mit ihrer Familie eine Reise nach Griechenland unternommen. 1906 brachen die männlichen Mitglieder der Expedition einen Monat vor den weiblichen auf und begaben sich auf dem Pferderücken über Triest, Montenegro und Albanien gen Süden, während die Damen per Eisenbahn und Schiff reisten. Man besichtigte die klassischen Stätten und interessierte sich wenig für das moderne Griechenland. Unglücklicherweise wurden einige Mitglieder der Reisegruppe von Krankheiten heimgesucht, und Woolfs Bruder starb später in London an einem zu spät diagnostizierten Typhusfieber. Bell, Q.: Virginia Woolf. A Biography. Vol. One: Virginia Stephen. 1882-1912. London: Hogarth Press 1973, 107-111.

[21]Η θλίψις οπού ησθανόμην δια τούτο το πράγμα, μ’ έκαμε ν’ αμελήσω τον εαυτόν μου, εγώ ακτένιστη, άνιπτη, νηστική, χωρίς να θέλω να ομιλώ, και χωρίς να θέλω να μού ομιλώσι, πεσμένη εις ένα κρεββάτι, με τα μάτια καρφωμένα εις έναν τόπον, η μορφή του θανάτου άρχισε να παρουσιάζεται εις το πρόσωπόν μου.

Η μήτηρ μου. Αυτοβιογραφία της κυρίας Ελισάβετ Μουτζαν-Μαρτινέγκου. Εκδιδομένη υπό του υιού αυτής Ελισαβετίου Μαρτινέγκου, μετά διαφόφων αυτού ποιήσεων. Εν Αθήναις, Εκ του τυπογραφείου της Κορίννης 1881, 109.

[22]Vgl. Barretts 1816 entstandene Geburtstagsverse To my dearest Papa – on his Birthday:

“Hail Father dear! Who taught me virtuous truth,
Who guid´st me, thro´ the thorny way of youth,
Oh say my Muse! interpret in thy song
The praise of him who chides me when I´m wrong,
Whose judgement gentle, kind applause does give,
Wins grateful love while memory shall live.”

Barrett Browning, E.: Hitherto unpublished poems and stories with an unedited autobiography. Vol. I. London: The Bibliophile Society 1914, 101-102, Vs 7-12.

[23] Αγαπάτε, αγαπάτε, πατέρες, σας παρακαλώ, τα τέκνα σας, φροντίζετε πάντοτε να τα κάμνετε να ζούν ευτυχώς, μίαν φοράν οπού χωρίς αυτά να σας την ζητήσουν, εσείς αυτοθελήτως τούς εδώκατε την ζωήν. Αλλά είναι θηλυκά, μάλιστα διατί είναι θηλυκά χρεωστείτε να τα αγαπάτε περισσότερον. Εμείς οι μαύραις γυναίκες όντας γεναμέναις από την φύσιν πλέον αισθητικαίς, όντας καταδικασμέναις από την συνήθειαν να ήμεθα πλέον υποκειμέναις εις τους πατέρας αφ’ ό,τι είναι οι άνδρες, ‘γροικούμεν την πατρικήν αγάπην περισσότερον, και περισσότερον φροντίζομεν να δειχνώμασθε εις τους πατέρας υποτεταγμέναις. Από το άλλο μέρος χρεωστείτε, διατί είναι θηλυκά να τα αγαπάτε καλήτερα, επειδή και αυτά (ομιλώ δια τα θηλυκά της πατρίδος μου), όντας φυλακωμένα εις ένα σπήτι έχουσι περισσότερον χρείαν από την πατρικήν φροντίδα σας.

Η μήτηρ μου. Αυτοβιογραφία της κυρίας Ελισάβετ Μουτζαν-Μαρτινέγκου. Εκδιδομένη υπό του υιού αυτής Ελισαβετίου Μαρτινέγκου, μετά διαφόφων αυτού ποιήσεων. Εν Αθήναις, Εκ του τυπογραφείου της Κορίννης 1881, 90.

Text: Michaela Prinzinger. Fotos: Porträt Elisavet Moutzan-Martinengou (Zeichnung nach dem verschollenen Porträt von Nik. Kantounis, entnommen der Ausgabe von K. Porfyris 1983), Porträt Elizabeth Barrett-Browning, Wikipedia Commons, Urheber nicht ausgewiesen.

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